Einträge mit dem Tag: Neue Cover


Lass uns über deine Backlist sprechen!

Leute, was macht eine Autorin, wenn sie keine Bücher schreibt (oder an ihrem anderen Business arbeitet)? Sie schreibt ÜBER Bücher. Oder übers Schreiben. Oder übers Veröffentlichen. 

Freitag, 07. Oktober 2022

Backlist pushen.

Foto (ohne Text): Adobe Stock

Den Schubs für den heutigen Beitrag hat der Reedsy- Newsletter gegeben, in dem über die Backlist geschrieben wurde. Also über all die Bücher, die ihr schon veröffentlicht habt, die aber schon älter sind. Und die ganz oft einfach vernachlässigt werden, weil der Fokus meist auf der nächsten Veröffentlichung liegt und beim Marketing des neuesten Buches (Frontlist).

Das hat natürlich seine Berechtigung, aber etliche Autor:innen - v.a. die Vielschreiber:innen - beziehen einen großen Teil ihres Honorars aus der Backlist. Und da lohnt es sich offenbar, ab und zu mal einen näheren Blick draufzuwerfen.

 

Bücher haben kein Verfallsdatum

 

So lautete zumindest eine der (englischen) Zwischenüberschriften im Newsletter. Da musste ich natürlich spontan an die Bücher denken, die verramscht oder makuliert werden, weil sie nicht die Verkaufszahlen erreichen, die sich der Verlag vorgestellt hat. DIE haben ein Verfallsdatum. Was aber nur für die physischen Bücher gilt, denn so lange das Manuskript existiert, ist es möglich, die Bücher selbst neu herauszugeben (sobald ihr die Rechte zurück erlangt habt). Und wir sind ja hier beim #AbenteuerSelfpublishing. Und 70 Jahre nach dem Tod von Autor:innen sind deren Werke Public Domain und können von jedem neu herausgebracht werden. Also stimmt das mit dem "kein Verfallsdatum" irgendwie schon, auch wenn ich dazu tendiere, es in "Manuskripte haben kein Verfallsdatum" umzubenennen. Aber das ist vermutlich Haarspalterei.

 

Neues Leben für die Backlist

 

Doch auch, wenn das Manuskript gut ist und quasi ewig gelesen werden kann, dann ist die Verpackung vielleicht irgendwann nicht mehr die richtige. Ich muss ja gestehen, ich habe mich damals echt gewundert, weshalb meine Girls in Love-Bände plötzlich alle ein neues Cover bekamen. Die sind nicht mehr erhältlich, weil Langenscheidt die gesamte Reihe (auch die Titel meiner Kolleg:innen) eingestellt hat. Wie war das mit dem Verfallsdatum? Aber ich kann anhand von Band 1 zumindest zeigen, wie sich die Cover verändert haben:

San Francisco Love Affair von Petra A. Bauer - ursprüngliches Cover San Francisco Love Affair von Petra A. Bauer - upgedatetes Cover

Die ursprünglichen Covergestaltungen (links) waren in Langenscheidt-Gelb gehalten, damit klar war, dass es sich um ein Sprachlern-Buch handelte. Was letztlich nicht hilfreich war, weil kein Teenie in der Sprachen-Ecke nachschaut, wenn sie oder er einen Young Adult Roman sucht. Dies führte letztlich wohl auch zum Tod der Reihe, auch wenn Langenscheidt eine Deutschlandtour machte, um Buchhändler:innern davon zu überzeugen, ihre Lern-Lektüren doch bitte in die normale Kinder- bzw. Jugendbuch-Abteilung zu stellen. Da half wohl auch die neue Covergestaltung nicht - was bei einem rein deutschen Buch vermutlich erfolgreich gewesen wäre. Die neuen Umschläge versprachen romantische Reiseabenteuer und hatten alle dieses Polaroid"foto", das zwar ebenfalls gezeichnet war, aber nicht mehr so wirkte, if you know what I mean. 

Witzigerweise wurden die Krimis for Kids-Cover nur ganz minimal verändert, behielten ihr Gelb und die Reihe hat auch den Wechsel zu Pons überlebt. 

Zweisprachige Bücher sind offenbar eine ganz spezielle Kiste, aber grundsätzlich ist es schon so, dass Buchverkäufe der Backlist angekurbelt werden können, wenn man ihnen ein zeitgemäßeres Cover verpasst. Das muss natürlich nicht klappen; vielleicht haut man auch daneben. Cover unterliegen nämlich auch Modetrends. Aber es lohnt sich, einfach mal zu schauen, was aktuell bei den Neuerscheinungen im jeweiligen Genre so angesagt ist. Und dann ausprobieren was läuft.

 

Klappentexte

 

Offensichtlich sind auch Klappentexte eine Trendfrage. Dazu gab es im Newsletter das Beispiel, dass man vor einigen Jahren kaum Klappentexte fand, die in der ersten Person geschrieben wurden. Nun hat ein Großteil der Young Adult Bücher Klappentexte in Ich-Perspektive (zumindest am Amerikanischen Markt. Für den deutschsprachigen Markt habe ich das - ehrlich gesagt - nicht recherchiert). Auch bei anderen Genres lohnt sich der Blick auf aktuelle Klappentexte, um die eigenen ggf. dem Zeitgeist anzupassen.

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Metadaten

 

Lasst uns auch die Keywords nicht vergessen. In Genres und Subgenres hat sich so vieles verändert. Als die Girls in Love-Reihe 2006 an den Start ging, gab es beispielsweise den Begriff Young Adult noch gar nicht. Wollte ich die drei Bände neu herausgeben (und das habe ich in der Tat vor), täte ich also gut daran, diesen Begriff als Keyword zu nutzen.

 

Pseudonym

 

Davon steht nichts in besagtem Newsletter, sondern ist meinem eigenen Hirn entsprungen: Ich stelle immer wieder fest, dass englischsprachige Namen ein Magnet zu sein scheinen. Leser:innen scheinen englischen Namen eher zu trauen - anders kann ich mir das nicht erklären. Vielleicht ist der hohe Anteil an ausländischen Lizenzen in der Verlagswelt mit schuld. Jedenfalls habe ich bei meinen absolut nicht repräsentativen Recherchen herausgefunden, dass sich Bücher von Autor:innen, die sich ein englisches Pseudonym zugelegt haben, signifikant besser verkaufen, als die von Autor:innen mit deutschen Namen. Das mag einfach nur Korrelation sein und keinerlei kausalen Zusammenhang haben. Auch war meine Recherchebasis jetzt nicht riesig und es gäbe noch etliche Dinge dabei zu beachten (Genre, Schreibqualität, etc.) Aber das war ein erster Eindruck und möglicherweise wäre es einen Versuch wert, die eigene Backlist mal daraufhin durchzugehen, ob ein Pseudonym frischen Wind (und höhere Verkäufe) bringen könnte.

 

Trends

 

Als Autor:in sollte man es ja tunlichst vermeiden, Trends hinterherzujagen. Das hat vor allem praktische Gründe: Der Trend könnte einfach schon vorbei sein, bevor das passende Manuskript fertig ist. Aber vielleicht schlummert ja ein zehn Jahre altes Buch in eurer Backlist, das genau zu einem aktuellen Trend passt? Schließlich kommen auch Moden immer wieder. Da gilt es eben, den Buchmarkt aufmerksam zu beobachten, um schnell reagieren und mit dem älteren Buch auf den wiederauferstandenen Trend aufspringen zu können.

 

Backlist-Verkäufe ankurbeln

 

Nun reichen ein neues Cover und neue Keywords alleine natürlich nicht aus, um die Backlist zu pushen, wenn niemand davon weiß. Dazu stehen im Newsletter einige Strategien, die ich ganz hilfreich finde und die ich gerne - mit ein paar Zusatzinfos - an euch weitergeben möchte:

1.  Erwähnt eure Backlist-Titel in all euren Büchern! Vor allem natürlich in den neuesten, aber es schadet auch nicht, eure gesamte Veröffentlichungsliste immer wieder mit allen Titeln upzudaten. Cross Promotion rulez! Zum Glück ist das bei Ebooks und PoD heute kein Problem mehr. Ich mache das intuitiv schon länger bei meinen Mal-, Rätsel- und Lernbüchern. Da stehen hinten z.B. auch meine "echten" Bücher drin. Also die, mit nur Text.

2. Preisnachlässe für den ersten Band einer Serie. Bisher habe ich das so massiv nur am US-Markt beobachtet, aber da sind erste Bände sehr häufig perma-free, also immer gratis. Das ergibt natürlich vor allem Sinn, wenn ihr schon mehrere Bände am Start habt. Sinn und Zweck ist es, den Leser:innen quasi ein Appetithäppchen vorzuwerfen, in der Hoffnung, dass sie den Band so lieben, dass sie anschließend auch alle anderen Bände kaufen. In den USA scheint das auch recht gut zu funktionieren. Hier habe ich eher den Eindruck, dass für die ersten Bände zumindest EIN BISSCHEN WAS genommen wird, damit man sich nicht total über hohe Downloadzahlen ärgert (die vielleicht nicht mal den gewünschten Effekt bringen), und mit null Euro rausgeht.

Ich habe mal ein bisschen recherchiert: Es gibt Autor:innen, die bieten einfach alle Bände einer Reihe zum gleichen Preis an, z.B. 3,99 € oder 2,99 €. Interessanterweise verzeichnen die ersten Bände dabei jeweils die höchsten monatlichen Verkaufszahlen. Da ergibt es natürlich schon Sinn, sich zu überlegen, ob das perma-free-Modell für den deutschen Buchmarkt überhaupt geeignet ist. Vielleicht sind hier befristete Preisaktionen sinnvoller, um die Sichtbarkeit ein bisschen zu pushen. 

Eine Möglichkeit ist es natürlich auch, die Bücher bei Kindle unlimited zu haben (das geht aber nur, wenn ihr die Ebooks exklusiv bei Amazon anbietet), weil die dann ohnehin für 0,00 Euro gelesen werden können (wenn man als Kunde bereit ist, jeden Monat die KU-Gebühr zu zahlen). Ob das einen signifikanten Effekt hat, kann ich leider nicht mit Sicherheit sagen, weil mir dazu Zahlen fehlen.

3. Ads quer durch die Backlist. Wenn ihr ohnehin Anzeigen für eure neuen Bücher schaltet, lohnt es sich vielleicht, auch Anzeigen für die Backlist zu nutzen. Und zwar in Rotation. Vielleicht in jedem Monat ein anderes "altes" Buch promoten, vielleicht gepaart mit Preisnachlässen.

4. Spezial-Editionen herausbringen. Da ist jetzt eure Fantasie gefragt. Ihr könntet Hardcover herausbringen, vielleicht mit besonderer Ausstattung oder Gllitzer auf dem Cover. Sammelbände bei einer Trilogie. Einem Buch eine Art Making of im Anhang zufügen. Das sind drei Dinge, die mir jetzt beim Schreiben ganz spontan eingefallen sind. Ich bin sicher, ihr habt noch mehr Ideen und freue mich, wenn ihr die im Kommentarbereich teilen möchtet (aber bitte nicht wieder Schlüsseldienst-Spam, o.Ä. Ich lösche eure gewerblichen und thematisch nicht passenden URLs ohnehin)

CRIME-AND-THE-CITY.DE | Krimiserie von Petra A. Bauer

5. Übersetzungen

Last but not least könnt ihr eure Backlist-Veröffentlichungen natürlich auch übersetzen lassen. Wie erfolgversprechend das ist, kann ich nicht sagen. Ich erinnere mich, dass vor einigen Jahren bei der Leipziger Autorenrunde die Autorin Emily Bold über ihre Erfahrungen sprach und sagte, sie würde das nicht wiederholen. Es gab wohl Unstimmigkeiten bzgl. Amerikanischem und Britischem Englisch (wenn ich mich nicht irre), und die Verkäufe blieben hinter den Erwartungen zurück. Allerdings war das schon 2018 (oder sogar früher) - und diesbezüglich kann sich inzwischen (auch bei Emily Bold) einiges geändert haben. Ich höre jedenfalls immer häufiger von Autor:innen, die diesen Weg gehen.

So, ich hoffe, ihr konntet was aus dem Beitrag für euch mitnehmen und macht euch jetzt fleißig daran eure schlummernde Backlist aufzuwecken.

Happy writing wünscht euch

Petra

Buchveröffentlichungen der Berliner Autorin Petra A. Bauer

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20 Jahre writingwomans Autorenblog. Seit 2.9.2002.
 
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