Ich trödle, also bin ich

Man müsste sich einmal die Mühe machen und ausrechnen, wie viel Bruttosozialprodukt uns jährlich durch Prokrastination flöten geht.

Wie? Achso, nein, für diejenigen, die den Begriff noch nicht kennen, das ist nichts Unanständiges. Es handelt sich bei Prokrastination lediglich um neudeutsch für „Aufschieberitis“. Dieses Nicht-Anfangen-Können ist die wahre Pest, und wenn man glaubt endlich in der jeweiligen Arbeit „drin“ zu sein, kommt prompt die nächste Ablenkung.

Ich könnte reich sein, wenn ich morgens sofort die wichtigste Aufgabe zuerst erledigen würde, nämlich das Schreiben gegen Geld, was ja schließlich mein Beruf ist. Stattdessen verfasse ich völlig unentgeltlich Mails, schaue Flickr-Fotos an ohne dafür bezahlt zu werden, kommuniziere umsonst (und bisweilen tatsächlich auch im Sinne von vergeblich) virtuell mit meinen Kollegen oder surfe durch die entferntesten Regionen des Web - für mich selbst als Recherche getarnt. Ist die zu erledigende berufliche Aufgabe für meine Stimmung gerade besonders unpassend, beginne ich sogar gratis zu putzen oder Kinderzimmer aufzuräumen.

Ich bin damit weiß Gott nicht alleine. Die am häufigsten verschobene Aufgabe aller Deutschen dürfte sicher die Steuererklärung sein. Aber die ist nur einmal im Jahr fällig und nicht täglich.

Eine ganze Branche lebt davon, die Prokrastinierenden zu kurieren, mit Büchern über Zeit- und Büromanagement, vollgestopft mit Tricks, wie man sich stündlich neu überlisten kann an der eigentlichen Arbeit zu kleben, wie eine Seepocke am Schiffsrumpf. Allein, es ist vergeblich. Ein Volk von Trödlern und Aufmerksamkeitsgestörten – besonders häufig in kreativen Berufen anzutreffen – lässt sich nicht dauerhaft von Ratgebern beeinflussen.

Ich ohnehin nicht, denn ich bin ein Deadlinejunkie. Wenn eine Aufgabe in der vorgegeben Zeit nach menschlichem Ermessen nicht mehr zu schaffen ist, dann laufe ich zu kreativer Höchstform auf und gebe pünktlich ab. Nur, dass ich mit ein wenig mehr Disziplin in derselben Zeit das Fünffache hätte schaffen können.

Wie gesagt: Ich könnte reich sein. Konjunktive eben.

© Petra A. Bauer, 19. Sept. 2008

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Kommentare:


[ zitat ]Ich könnte reich sein, wenn ich morgens sofort die wichtigste Aufgabe zuerst erledigen würde[ /zitat ]

Das unterschreibe ich absolut! Dennoch werde ich oft gefragt, wie ich meine Arbeit, mein Hobby mit Haushalt und 5 Kindern vereinbare *lachwech* Wenn DIE wüssten…

Hach, was wäre das Leben ohne Deadlines ;-) Ein bisschen Druck braucht der Homo Procastinatoris, sonst wird er doch unglücklich *breitgrins*

Birgit  am  30. April 2010



Dann bekommen wir beide ja offenbar die gleiche Frage gestellt, außer, dass bei mir die 5 gegen eine 4 ausgetauscht werden muss ;-)

Ich sehe das so: Meist trödle ich ja in irgendeiner Weise produktiv, zumindest erweitere ich dabei meinen Horizont. Und das kommt mir dann wieder beim Schreiben zugute.

Man muss nur für alles eine gute Ausrede haben!

:-)

Liebe Grüße von Petra, die gerade eine Deadline hat ...

Petra  am  30. April 2010



*grins* Willkommen im Club der VIBM´s (very imortant busy moms)

Ich bin ebenfalls eine Meisterin des produktiven Trödelns… seltens findet man mich unproduktiv - nur halt nicht gerade das, was ich eigentlich tun wollte / sollte ;-)

Letztenlich dienen Ablenkungen vom Eigentlichen auch der Qualität desselben - so erhält man einen anderen Blickwinkel und rührt nicht immer im selben Kochtopf.

Aus der Procrastination habe ich mittlerweile eine Tugend gemacht und mich meinem angeborenen Schicksal gefügt und mache das Beste daraus.

In diesem Sinne fröhliches Deadlining und schönes Wochenende :D

Liebe Grüße von Birgit, die ihre Deadline für heute schon erreicht hat und sich jetzt den Prio II & III Aufgaben widmen kann.

Birgit  am  30. April 2010



Hallöle in die Runde,
scheint ja ein Treffen der Kinderreichen zu sein -> 5 bei mir.

Petra, mir geht es genauso. Das war schon früher in meinem Erstberuf so und ist jetzt im Autorenleben nicht anders. Wenn die Deadline naht, übertreffe ich mich selbst, kann schnell und diszipliniert arbeiten und gebe immer pünktlich ab. Aber wehe, ich habe (scheinbar) noch Zeit… *seufz* Ganze Regale könnten mit Romanen von mir gefüllt sein, wenn ich immer so arbeiten würde. Ich habe es schon damit probiert, mir selbst Deadlines zu setzen. Pustekuchen. Ich lasse mich da nicht austricksen. Aber was soll`s… das Leben ist schön!

Liebe Großfamiliengrüße
Jutta

Jutta  am  30. April 2010




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