Gedankensplitter über Twitter

Ich habe mich bisher eigentlich immer sehr wohl gefühlt bei Twitter. Klingt jetzt so gar nicht nach Web Zwo Null, aber ich fand es sehr gemütlich, und da bin ich wohl nicht die Einzige. Natürlich gibt es Kommerzialisierungsbetrebungen, aber einer twitterinternen Umfrage zufolge, würden die meisten Twitterati eher für den Dienst selbst löhnen, als sich mit Werbetweets überschwemmen zu lassen.
Das sollte einem vielleicht zu denken geben.
Ich bin seit über einem Jahr dabei und in dieser Zeit konnte ich die Community und deren Gepflogenheiten ganz langsam kennenlernen. Learning bei burning doing eben. Das Netzwerk wird größer, man followed und wird gefollowed, Nervensägen entfollowed man wieder, falls man sie nicht rechtzeitig als solche erkannt und ignoriert hat.
Spielchen werden gespielt, wir lachen gemeinsam über DSDS; heißt, wir sehen gelegentlich gemeinsam fern und irgendwer in meinem Netzwerk (rd. 400 Follower / Gefollowte bis jetzt) kriegt oft schneller mit als die altgediente Presse, wenn irgendwo etwas brennt. Buchstäblich. Wie gestern der Papierlagerbrand an der Köpenicker Str. in Berlin.
Otto Normalverbraucher ist gerade in dem Stadium, in dem er glaubt, es heiße "der Blog" und immer noch nicht weiß, was ein Blog eigentlich ist (falls Otto überhaupt Internet hat bzw. nutzt, denn Nichtnutzer gibt es auch noch reichlich. Da ich seit 1997 / 98 im Netz bin, kann ich das nicht nachvollziehen, aber muss ich ja zum Glück auch nicht *g*).
Von Twitter hat Otto natürlich noch nie was gehört. Käme ihm das Wort unter, hielte er es vermutlich für eine Wettererscheinung.
Also nicht Otto Normalverbraucher ist es, der Twitter nun für sich entdeckt, sondern Arno Superdynamisch und Sabine Waskostetdiewelt-IchmachsiezuGeld. Sie sind überall und sehen jeden neuen Trend unter dem einzigen Aspekt: Wie bringe ich mein Produkt / meine Dienstleistung an den User.
Dagegen ist ja per se nichts zu sagen. Wir alle leben vom Geld verdienen. Und auch ich freue mich, wenn einer meiner Follower mir sagt, dass er mein Buch gekauft hat. Ich twittere über meinen Arbeitsalltag, da bleibt es nciht aus, dass ich gefragt werde, was ich genau mache. Und dann kann es auch mal vorkommen, dass ich in dem Zusammenhang jemanden frage, ob er in seinem Bücherforum mein Buch rezensieren möchte. Was ich jederzeit auch so im Netz hätte fragen können, aber ich tue das, wenn sich eine Gelegenheit, eine Art persönliches Gespräch ergibt. Vermutlich liegt es daran, dass ich Twitter zunächst als Spielzeug ausprobiert und mich dann dort einfach wohl gefühlt habe.
Sabine W.-I. und Arno Superdynamisch melden sich an und kennen niemanden. Hauptsache, es tummeln sich potenzielle Kunden dort. Ist ja prima, kostet schließlich nix, und Zeit verschwenden wollen sie auch nicht, also verpacken sie ihre Werbebotschaften direkt mit dem ersten Tweet so subtil, wie Christo es beim Reichstag tat. Oder hat etwa jemand erkannt, dass sich unter den Planen ein großes Haus verbarg? *ggg*
Falls man zurückgefollowed hatte, ist man nun - sagen wir - irritiert. Die nächsten Tweets beinhalten Fragen nach dem wie und weshalb, weil sich Arno nicht die Zeit nehmen mag sich der Community zu nähern und sie zu verstehen.
Es ist dieser besondere Twitter-Spirit, den man nicht erklären kann, den muss man erleben. Es ist eben kein schnöder öffentlicher Chat und auch keine Ansammlung potenzieller Käuferschäfchen. Die Twitterer, die im Netz etwas verkaufen und ziemlich von Anfang an dabei waren, haben das auch verstanden. Man plauscht mit den anderen, lernt sich kennen und dann nehmen sie es einem auch nicht übel, wenn man in die Runde fragt, ob jemand noch ne Kaffeebestellung hat, weil man grad das Formular fertigmacht und rausschicken will (frei erfundenes Beispiel, könnte aber ebenso gelaufen sein).
Ich sehe Twitter als mein erweitertes Wohnzimmer, resp. Büro und da weise ich Menschen, die mit plumper Werbung kommen, ja auch ab (wie heute und gestern wieder die nervigen Menschen, die auf unserem Grundstück rumturnten und mir irgendwas verkaufen wollten, denen ich aber immer direkt einen schönen Tag wünsche). Also hoffe ich, dass Twitter noch recht lange die Möglichkeit bietet, denen, die das Medium nicht verstehen wollen, sich aber später für die Vorreiter halten, den Hahn abzudrehen: Entfollow Sabine W.-I. und Arno Superdynamisch :-)

» » Exposé zwei von fünf

« « Erstes Exposé fertig :-)



Kommentare:


Es wird immer so sein, dass sich Leute aus Eigennutz in den Vordergrund schieben. Das ist ja auch beim Bloggen so. Ansonsten teile ich Deine Auffassung, Twitter ist »ein gemütliches Wohnzimmer«, und ich mache gleich noch ein wenig Eigenwerbung zum Thema »Twitter im Gewitter«: http://frieling.blog.de/2008/05/12/twitter-im-gewitter-4163738
:wave:

Prinz Rupi  am  15. Mai 2008



Twitter hat viele Möglichkeiten interessante und profitable Geschäftsmodelle zu entwickeln.  Sie wissen genau, wenn Sie die Twitterrianer ärgern, wird der Dienst von der Community oder einem der großen kopiert und innerhalb von kürzester Zeit hochgefahren.  Daher brauchen wir uns darüber wenig Sorgen machen.  Es bleibt spannend.

moritzschroeder  am  19. Mai 2008




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