Fantasy kommt von Fantasie

Ha! Eine Binsenweisheit zum Tage? Naja, mag sein. Aber da das (m)ein Projekttagebuch ist, sollten auch Gedanken zu eigentlich logischen Dingen erlaubt sein.

Und die Logik ist es im Prinzip auch, die mir gelegentlich einen Streich spielt. Also Logik im weitesten Sinne.

ALBATROS spielt ja - wie schon häufiger erwähnt - vor historischem und mythologischem Hintergrund. Ich muss mich da oft bei der Nase packen und schütteln: HINTERGRUND, Mädel! ES IST NICHT DIE STORY! Schließlich will ich weder eine Dokumentation noch einen historischen Roman schreiben. Aber da liegt auch schon die Krux. Die Wissenschaftlerin in mir (Ja auch Gesellschaftswissenschaftler, was ich ja de facto bin, sind Wissenschaftler. Noch so eine Binse!) versucht die historischen Fakten genau so einzuarbeiten, wie sie waren. Und wenn in der Mythologie eine Göttin ihr Unwesen treibt, denkt diese vernünftige, analytische Ecke in meinem Hirn: Das muss jetzt aber bitte so bleiben. Da kann ich jetzt keinen Mann draus machen, sonst verwirre ich die Leser. Und die finden das dann möglicherweise völlig unlogisch bzw. unrealistisch.

Ach du liebes Lieschen!

Du liebe, vernünftige Ecke in meinem Hirn: Wenn ein wenig Vernunft angebracht wäre, meldest du dich doch sonst auch nicht. Oder nicht immer. Könntest du also bitte meinen Roman in Ruhe lassen? Meinen FANTASY-Roman? Da hat Realismus doch nichts zu suchen! Auch wenn ich die Sparte Magischer Realismus gewählt habe, heißt das ja nicht, dass ich die Wahrheit nicht so lange biegen und zwirbeln kann, bis sie zu meiner Geschichte passt, und nicht umgekehrt. Wichtig ist doch, dass ich als Autorin ganz selbstverständlich damit umgehe und sage: Doch, das ist jetzt genau so und nicht anders. Weil es MEINE Welt ist.

Vielleicht wäre alles einfacher, wenn die Geschichte im Jahre 4735 auf dem durchsichtigen Planeten Frkmynalikowskaja spielen würde, wo nur Gedanken wohnen, die sich gegenseitig das Leben schwer machen. Oder so. Nun habe ich mir aber blöderweise die Erde ausgesucht. Im Jahre 2012 und rd 500 Jahre vorher. Hier gibt es Schwerkraft, Könige, und Menschen, die an etwas so Seltsames wie Götter glaubten und es - was ich noch viel seltsamer finde - auch heute noch tun. Eigentlich ist das schon Fantasy genug :-D Aber sich sklavisch an die Fakten zu halten, wann welcher König was getan hat und wer welchen Gott wie genannt hat, das ist einfach nur ... ach, mir fehlt das Wort dafür.

Dämlich wäre ganz hübsch, aber es trifft den Kern nicht ganz. Mit kompliziert und überflüssig kommen wir der Sache schon näher. Natürlich könnte ich die Fakten tatsächlich so belassen und die Geschichte quasi dazwischenweben. Aber dann bekomme ich die Schere aus Realität und Fantasie nie aus meinem Kopf. Außerdem machte es den ganzen Plot tasächlich zu kompliziert.

Ich will doch nur meine Geschichte erzählen. Und wenn da jemand übermenschliche Kräfte haben sollte, dann gibt es keinen Grund, weshalb beispielsweise ein tatsächlich gelebt habender König in meiner Geschichte nicht einfach eine Königin sein kann. Oder ein königlicher Mops. Oder ein umgestülpter Wassereimer. Aber das meiner Hirn-Ecke klarzumachen ist nicht ganz einfach.

Es ist nicht so, dass ich keine Fantasie hätte. Sonst hätte ich nicht schon so viele Bücher geschrieben. Aber meine Fantasie neigt dazu, sich an realen Gegebenheiten zu orientieren und in diesem Rahmen die Geschichten zu spinnen. Das muss ich ihr noch austreiben.

Versteht ihr, wie ich das meine oder war das gerade zu verschwurbelt?

Jedenfalls ist es keine Gesetzesübertretung, in einem Fantasy-Roman die Geschichte zu biegen, wie man es will. Dazu habe ich ein hübsches Zitat von Markus Heitz für euch, aus einem Video-Interview mit der Lausitzer Rundschau:

Markus Heitz hatte irgendwo mal den Satz gelesen: Die Katholische Kirche kennt 60 Drachenheilige. Er wusste überhaupt nicht, was das sein soll und hat recherchiert. Dabei hat er sogar über 80 Drachenheilige ausfindig gemacht und die Nachfahren dieser Drachenheiligen in die 20er Jahre verlegt: “Ich hab die 20er Jahre ein bisschen modifiziert, also die Nazis sind jetzt draußen und die russische Revolution ist ausgefallen, weil das alles zu kompliziert wird. Dann habe ich den Drachen auch verschiedene Gesichter und Eigenschaften gegeben, wie sie sie auch schon aus der Mythologie mitbringen, was total spannend ist. Und alles nur, weil ich über diesen Satz gestolpert bin.”

Stimmt, so funktioniert das mit den Ideen. Aber einfach die Historie zu verändern bis sie passt, das ist es, wogegen meine Hirn-Ecke sich sträubt. Aber das kriege ich auch noch hin. Ich muss mich wohl einfach mal ein bisschen locker machen :-)

Oder wie seht ihr das? Wie sehr würdet ihr euch in einem Fantasy-Roman an die Fakten halten? Oder seid ihr sowieso eher die Liebhaber völlig frei erfundener Welten? Ich würde mich freuen, wenn darüber eine Diskussion zustande käme, egal ob ihr Autorenkollegen oder Leser seid.

Liebe Grüße

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Kommentare:


Als Leser mach ich mir da nicht so viele Gedanken, ich lasse mich da vom Autor in seine Welt führen. Als Leser bin ich an der Geschichte selbst interessiert und weiß, dass es eben nicht der Realität entspricht. Meiner Meinung nach solltest du die Umstände einfach so anpassen, dass es zu deiner Geschichte passt bzw. wie du es am beten findest. Es ist ja auch schließlich dein Buch. Konzentrier dich nicht so sehr darauf, was deine Leser denken würden. Wenn es dir gefällt, wird es bestimmt auch dem Leser gefallen. =)

Uli  am  16. Oktober 2012



Danke Uli!
An dem was du sagst, ist schon sehr viel Wahres dran.  Ich habe wohl auch eher gemeiint: Wäre ICH als Leser dann nicht verwirrt? Das ist ein bisschen schwierig zu trennen. Natürlich schreibe ich das Buch auch für mich. Es ist eine dieser Geschcihten, die schon seit mittlerweile zwölf Jahren darauf warten endlich erzählt zu werden, und es freut mich, dass ich endlich auf dem richtigen Weg bin (also ich sitze da nicht seit zwölf Jahren dran, aber immer mal wieder). Aber ich freue mich natürlich auch darauf, sie EUCH zu präsentieren. Das sollte ja auch keine Umfrage werden, nach dem Motto, soll ich jetzt so oder so schreiben *g*

Ich finde es übrigens schön, dass du dich als Leser einfach entführen lässt. Somit bist du eigentlich ein Leser, wie ihn sich jeder Autor wünscht :-)

Petra  am  16. Oktober 2012



Fantasywelten können ruhig Fantasywelten sein - mit einer eigenen Geschichte, egal ob komplett neu erfunden oder mit realen Inspirationen. Ein funktionierendes historisches Gerüst erwarte ich nur bei historischen Romanen, obwohl ich bei denen auch immer das Nachwort lese, um herauszufinden, was Fiktion und was wahre Geschichte gewesen ist.
Vielleicht hilft dir dieser Gedanke: Bei Harry Potter stört es auch nicht, das die reale Welt mit herangezogen und verändert wird. Da kommt der britische Außenminister vor und schief gegangene Zauber werden als Katastrophen etc. interpretiert, die es “in echt” so nicht gegeben hat. Ich glaube nicht, dass das ernsthaft jemanden gestört hat :-) Von daher: fantasievolles Schreiben!

Jeannine  am  16. Oktober 2012




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