Jogging - Der letzte Versuch

Jogging also. Ich wollte nie wieder joggen. Was habe ich mich immer gequält! Aber ein Buch hat mich dann doch wieder inspiriert und mich innerhalb von gut zwei Wochen von einer auf 60 Minuten katapultiert.

running

Ich hatte bei jedem Jogging-Versuch denselben Fehler begangen: Ich war zu arrogant.

Wieder und wieder habe ich gelesen, dass man als Anfänger einminütige Laufpausen einlegen soll. Also beispielsweise zwei Minuten Joggen, eine Minute Gehen im Wechsel. Das ist doch kein richtiges Joggen, dachte ich hochnäsig und bin gejoggt, bis mir die Lunge gegen die Schienbeine schlug und die Beinmuskulatur brannte, was meist schon nach spätestens 200 Metern der Fall war. Getreu dem Motto: Immer über die Grenzen gehen, nur das bringt auf Dauer Leistungssteigerung, habe ich mich dann weitere 200 Meter geschleppt, bis meine Familie den Notarzt holen wollte, weil das rhythmische Vogelgezwitscher aus meiner Kehle lebensbedrohlich klang.

Gut, bei meiner letzten Jogging-Verabredung mit mir selbst bin ich immerhin vier Kilometer weit gekommen. Bis mir klar wurde, wenn ich weiter halbtot durch den Wald krieche (mich überholten auch langsame Spaziergänger, Weinbergschnecken und Rückwärtsläufer), könnte ich auch nicht mehr wegrennen, wenn Gefahr drohen sollte (wenn ich mal alleine lief). Und plopp - erleichtert nahm ich diese Ausrede hin, um meinem Schweinehund zu füttern. Und ich sagte mir: Jogging ist einfach nicht mein Sport. Das habe ich dann tatsächlich geglaubt.

Nie wieder joggen?

Im März 2011 bin ich eines abends beim Zappen bei Markus Lanz hängengeblieben. Die Sendung war schon weit fortgeschritten, aber ich dachte, vielleicht sagt Til Schweiger ja noch was. Er sagte nicht mehr viel, dafür erzählte der Comedian Bernd Stelter Interessantes. Nämlich, wie er mit dem Laufen von 130,5 Kilo runterkam. 30 und mehr Kilo hatte er schon verloren.

Es wirkte irgendwie inspirierend. Wer auch mal schauen möchte, man kann die Markus Lanz-Sendung vom 16.3.2011 in der zdf-Mediathek sehen. Ab 50:26 kommt Bernd Stelter zu Wort.

Irgendwas hatte das wohl in mir ausgelöst, denn ich ging am nächsten Tag beiläufig an der Flurgarderobe vorbei und sah nach, was meine Joggingjacken so machen ...  Sie taten folgendes: Sie hingen da herum, und sie teilten mir bereitwillig mit, wie lange schon, denn in einer davon (die andere hatte noch das Etikett, war ergo nie benutzt) waren diverse Bons vom Einkauf nach dem letzten Jogging. Datum: 11. September 2007.

Autsch.

Seit dreieinhalb Jahren hatte ich, außer zwischendurch hin und wieder Fitnessstudio (aber das auch sporadisch), nix gesportelt. Ob die Methode mit den Gehpausen vielleicht doch was für mich wäre?

Als erste Maßnahme bestellte ich Bernd Stelters Buch. Ich bin nicht verwandt oder verschwägert, ich mag Wer abnimmt hat mehr Platz im Leben einfach bloß sehr gerne.

Ich las also erstmal und lief noch nicht.

Kleine Anreize schaffen - z.B. neue Klamotten

Dann geriet ich mit meiner Familie einige Zeit später beim Bummeln zu Karstadt Sport und da entdeckte ich ein witziges Nike-Shirt, das zusammen mit meinen Joggingsachen in den Koffer durfte, als ich für die Osterferien in der Schweiz packte. Und schon am ersten Tag leistete ich dort der Aufforderung Folge:

Ich schleppte die komplette Familie mit. Wir sahen aus, wie ein eigener Lauftreff. Ich beschloss eine Minute zu Joggen, eine MInute zu gehen, insgesamt 15 Minuten in eine Richtung und 15 Minuten wieder zurück. Nach 45 Sekunden dachte ich, hey, eine Minute ist doch lächerlich, laufe ich doch gleich zwei, aber als das Bimmeln meines iPhones die vollen 60 Sekunden verkündete, war ich froh um die Gehpause.

Beim vierten Intervall tauchte auch der nervige Vogel in meinen Bronchien wieder auf. Nach insgesamt kanpp zehn Minuten verodnete mein Schatz mir den Rückweg.

An diesem Tag war ich also 20 Minuten unterwegs, davon zehn Minuten gejoggt. Hochroter Kopf und ich musste mit dem Fahrstuhl in die erste Etage fahren ... Allerdings war ich nicht ganz so kaputt wie mit der früheren Methode ohne Pausen.

Der zweite Tag ging schon besser; ich war 30 Minuten unterwegs, fühlte mich nur mitteltot und fiepte nicht mehr.

Am dritten Tag lief ich zwischendrin zehn Minuten am Stück, weil ich keinen Grund fand um aufzuhören. Aber die zehnte Minute war dann doch mühselig. Übrigens: Es ist wirklich hilfreich, jede Minute einen Wecker bimmeln zu lassen, das teilt die Strecke in leichter zu bewältigende Häppchen auf. Und es ist interessant wie unterschiedlich schnell diese Minuten vergehen!

Fortschritte - und Rückschritte

Die Erwartungen stiegen und damit kamen die Misserfolge. Ich fand den Rhythmus nicht, kam schneller außer Puste und K2 - die einizge die regelmäßig weiterhin mit mir lief - ging es ähnlich.

Ich sah ein, dass ich weiterhin erst 1eine Minute joggen musste, mit Gehpause danach, um meinem Körper mitzuteilen, dass jetzt Sport angesagt war. Und schau an, am 11. Tag bin ich 22 Minuten am Stück gelaufen. Ich begann es zu genießen, dass rechts die Kuhglocken bimmelten, links die Butterblumenfelder blühten und über mir die Raubvögel kreisten - und es waren keine Geier!

Am 12. Tag lief ich mit Gehpausen erst eine, dann zwei, dann drei, dann vier, dann fünf Minuten, dann 30 (!) am Stück und hopste anschließend die Treppe zur Wohnung hoch. 50 Minuten Bewegung - ich fühlte mich großartig!

Dann hatte ich drei Tage Pause, wegen Terminen und Abreise, doch gleich am letzten Feriensonntag machten sich K2 and me wieder auf den Weg. Eine Strecke, die wir nicht kannten. Wir liefen rd. 20 Minten da herum, es war anstrengender als ich dachte, aber ich dachte, besser so, als gar nicht bewegt.

Dranbleiben!

Am nächsten Morgen suchte ich mir eine andere Strecke. Ich ließ Anfangsminute weg und lief gleich ohne Pause. Ich habe ca. 20 min. gebraucht, bis ich meinen eigenen Rhythmus hatte. Das kann manchmal so lange dauern, v.a. wenn man den Kopf voll hat. Aber da wurde es dann plötzlich immer leichter. Udnd als ich von Asphalt auf Waldboden wechselte, dachte ich, ich fliege. Da waren schon 35 Minuten rum. Ach, dachte ich, dann kann ich ja mal sehen, ob ich auch 45 schaffe. Ich war mitllerweile längst die ganze Strecke zurückgelaufen und nochmal wieder ein Stück in die andere Richtung, und dann bog ich plötzlich in ein Wohngebiet ab. Wieso sollte ich aufhören, es lief doch gut.
Ich sah Orte, die ich überhaupt nicht kannte und andere, wo ich ewig nicht war. Ich atmete plötzlich wieder durch die Nase (etwas, das bei mir eigentlich fast nicht geht), und konnte mir gemütlich die Umgebung anschauen. Nach 60 Minuten hörte ich aus Vernunftgründen auf, stieg ins Auto und warte auf den Durstflash oder das große Geschnaufe. Nichts. Ich hatte nicht mal einen roten Kopf, wie in den Tagen davor. Ich war einfach nur entspannt und happy.

Ob das wohl schon Runner’s High war?

Schön, vom Tempo her, müsst ihr euch das vorstellen, als würde eine Zwergspitzmaus versuchen eine nasse Toastbrotscheibe über Waschbetonplatten zu schieben.  Aber ich fühlte mich nicht so schlapp wie ein nasses Toastbrot, und das ist der entscheidende Unterschied zu allen vorherigen Laufversuchen.

Ich habe jetzt nicht vor, immer und immer länger zu laufen. Aber dreimal pro Woche 30 Minuten sollten genügen um fit zu bleiben und dabei auch abzunehmen. Wobei der Fettverbrennungseffekt noch steigt, wenn man ein bisschen Krafttraining einbaut, mal schauen.  Ich merke nur, ich fühle mich gut, und K2 ist ebenso begeistert.

Positive Nebeneffekte

Man wird ja nicht nur körperlich fitter und nimmt ab, z.B. wenn man abends gleichzeitig auf das Kohlehydratgedöns verzichtet (ich hab jetzt drei Kilo runter), sondern allen möglichen Forschungsergebnissen zufolge kann man auch dem Alzheimer weglaufen. Kreativer macht es auf jeden fall, und selbst wenn der Effekt auf das gehirn nicht ganz so groß sein mag, wie bei den Mäusetests - bei meiner genetischen Vorbelastung (meine Omi und ihre beiden Töchter - sprich: meine Mutter und meine Tante) haaten / haben Alzheimer - sollte ich den Effekt nicht unterschätzen. Und wenn ich damit nur ein paar Jahre gewinne.

Meine Haut sieht auch irgendwie anderes aus, viel glatter. Und außerdem sieht man was von der Gegend.

Ich habe mir nämlich vorgenommen, Berlin laufend zu erkunden. Es gibt so viele tolle Ecken, die man sonst nie sieht. Das sind z.B. die Aussichten der letzten Tage hier in der Stadt:

Meine gesammelten Lauf-Aussichtsbilder (werden buchstäblich laufend aktualisiert *g*) könnt ihr in meinem flickr-Album WHILE RUNNING anschauen.

Ich hoffe, ich konnte euch vielleicht ein bisschen inspirieren. Ich hätte es jedenfalls nicht für möglich gehalten, dass sich so schnell so große Fortschritte einstellen, und dass mir Jogging tatsächlich mal Spaß machen könnte und ich nicht das Gefühl haben würde, mich zu quälen.

Und ihr so?

Erzählt doch mal: Lauft ihr auch? Wie erging es euch dabei? Welche postivien Effekte habt ihr an euch bemerkt? Und wollt ihr über meine Lauferei auf dem Laufenden bleiben? ;-)

Rechts in der Sidebar ist so ein kleiner Kilometerzähler (ich habe mal nachträglich via jogmap ausgetüftelt, wie weit ich gekommen bin). Wenn der sich länger niciht bewegt, tretet mir bitte in den Hintern! :-)

 

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Kommentare:


Ich laufe nicht, oder nicht mehr, starte zwar immer mal wieder einen neuen Versuch, aber ich finde es einfach so sterbenslangweilig. Ohne Musik zu laufen macht, daß ich mich wie ein Hamster im Rad fühle. Mit Musik mag ich nicht laufen, weil ich es hasse, wenn ich meine Umwelt nicht hören kann und eventuelle Rad- oder Autofahrer oder Axtmörder hinter mir nicht rechtzeitig bemerken würde.
Außerdem habe ich nach jedem Versuch das Gefühl, meine Knöchel finden die Idee völlig abartig.

Andererseits gehe ich in der Woche gerade jetzt ab April/Mai bis etwa Oktober drei- oder viermal rund 10 km zügig über den Golfplatz, bei höchster Konzentration auf mein Spiel. Ich bin ziemlich fit und ausdauernd, trage meist mein Bag statt einen Trolley zu benutzen (Carts, diese Elektrowagen, haben wir bei uns im Club nicht und die sind auch eher in den USA oder Spanien üblich) und ich habe nicht das Gefühl, daß Jogging mich da noch weiter voran bringen würde.

Aber ich gratuliere herzlich und danke für den schönen Bericht. Sport ist nie verkehrt (in Maßen) und das Laufen ist sicherlich eine der praktischsten und preiswertesten Sportarten.

Kiki  am  04. Mai 2011



Das ist ja witzig. Ich laufe auch. Wieder. Ich habe mir einen Coach gesucht. Weil ein realer, der an meiner Tür klingelt, zu teuer war, habe ich einen Online-Coach: http://www.jkrunning.de
Es klappt super, ich krieg regelmäßig Pläne und Feedback. Sehr zu empfehlen. Und über die von Coach Seite verordneten Gehpausen bin ich auch froh ;-)

Weiter viel Spaß!!

Jutta

Jutta  am  04. Mai 2011



Liebe Kiki,
mit Musik kann ichauch nicht laufen. Nicht (nur) wegen der Axtmörder, sondern weil dann zu schnell werde. Und um locker laufen zu können, muss ich mein Schneckentempo beibehalten.
Beeindruckend, dass du es schaffst, so oft in der Woche zu golfen. Da musst du echt keinen anderen Sport mehr machen. Mein Sport war das nicht - sehr zum Leidwesen meines Mannes, der hoffte, was für uns gemeinsam gefunden zu haben. Aber ich bin a) zu doof den Ball richtig zu treffen, b) auch da viel zu lahm und c) nach spätestens vier Löchern ein unkonzentriertes Wrack ;-)
Ich freue mich, dass dir mein Bericht gefallen hat!

Liebe Jutta,
ja, das ist wirklich witzig, dasss du quasi gleichzeitig mit mir wieder angefangen hast. Die Website schaue ich mir mal genauer an, klingt interessant.

Liebe Grüße
Petra

Petra  am  05. Mai 2011



Von klein auf bis zum Abitur spielte ich jeden Tag Fußball. Zusätzlich Handball, Basketball, Tennis oder Tischtennis, wenn es sich ergab. Das ist nur leider 25 Jahre her…

Damals wie heute finde ich Bewegung ohne Ball sehr langweilig. Nur gehen die meisten Spiele mit Ball alleine sehr schlecht, zumal ich nicht mehr in dem Alter bin, in dem man Fußbälle auf Blechgaragentore drischt.

Nach unendlich langer Bewegungslosigkeit habe ich wenigstens jemanden für Tischtennis gefunden (die “zugelaufene” Platte steht seit drei Jahren in einem unbenutzten Raum). Wir begannen auf ungefähr gleichem konditionellen und spielerischen Niveau, besser gesagt auf der selben Nullebene.

Es war interessant und erfreulich, dass das Gefühl für Ball und Schläger bereits nach einer Woche erkennbar erwachte und seitdem immer besser wird. Das motiviert zum Weitermachen genauso wie die Glücksgefühle, die der Körper sendet. Man könnte sagen er jauchzt.

Der Vorteil der Matches auf Augenhöhe ist, das das beim Laufen verlockende “ich mach jetzt mal langsamer” nicht geht, außer man ist bereit zu verlieren. So geraten wir regelmäßig ins Keuchen und sind nach einer Stunde komplett durchgeschwitzt. Wie am Anfang in Alltagsklamotten zu spielen geht nicht mehr. Außerdem hat sich mein Gegner einen besseren Schläger besorgt, ich muss nachrüsten.

Ich weiß, es ist nur Tischtennis, und wenn wir den Flüssigkeitsverlust demnächst nicht nur mit Mengen an Weißbier kompensieren…

Rob  am  05. Mai 2011



Hallo Rob,
“nur” Tischtennis, würde ich nicht sagen. Jede Art von Bewegung ist gut und wichtig, und wenn es einigermaßen regelmäßig stattfindet und man dabei ins Schwitzen kommt, ist das doch super. Schließlich ist TT ja ein Sport, olympisch gar, wenn ich nicht irre.
Und Weißbier, jaaa, das ist nunmal lecker :-)

Petra  am  09. Mai 2011




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