Reisetagebuch Südfrankreich (2)

5.8. Pool und Sonnenbrand. Abends arbeiten. Wenigstens un petit peu. 6.8. Ich wurde davon geweckt, dass sich wütende Franzosen mehrere Minuten lang anschrieen. Immer wieder war guerre zu hören und au revoir, aber leider ging niemand. Hoffentlich wird das jetzt nicht mein morgendliches Weckritual. Ich weiß schon, weshalb ich es HASSE, bei offenem Fenster zu schlafen. Ich werde bei jedem Mist wach. Ein Relikt von 1999, als man uns den Bus vom Grundstück geklaut hatte. Seitdem hab ich immer ein Ohr aufgestellt, wie ein Hund. Sieht bestimmt komisch aus ;-) Es ist immer wieder erstaunlich, wie zielsicher wir die hässlichsten Ecken der Städte aufspüren. Schon damals in München, ich war fünfzehn oder sechzehn und ganz allein unterwegs, bin ich in der Gegend um den Ostbahnhof gelandet. Letztes Jahr in Genua – die dreckigste, stinkendste Ecke der Stadt war unsere, bevor wir das hübsche und interessante Genua sahen. Heute also Béziers. Wir wollten zur Pont Neuf, die im Internet auf den Fotos so hübsch ausgesehen hatte. Kunststück – die Ansicht war auch immer von der gegenüberliegenden Seite des Flusses fotografiert worden. Wir sahen die Pont Neuf und erkannten sie nicht (siehe Foto). Die Straßen wurden immer enger, die Häuser, die auch schon vorher in schlechtem Zustand waren, wurden immer grauer, kaputter. Wasser floss die Gassen entlang, aus verschiedenen Hauseingängen schlug uns Gestank entgegen. Eine bekopftuchte Frau und ihr Mann, die ebenso gut in Kreuzberg hätten zu Hause sein können, kamen uns entgegegen. Der Mann röchelte seine Kehle frei, mit einem Geräusch, das mich erschaudern ließ vor Ekel. Sonst begegneten wir kaum jemandem. An einer Mauer wünschte jemand schriftlich den Marokkanern den Tod, und langsam wurde uns klar, dass wir völlig auf dem Holzweg befanden. Drückende Schwüle und der Rückweg bergauf ließ meine Laune auf den absoluten Nullpunkt sinken. Nachdem ich gefühlte drei Liter geschwitzt habe und wir wieder auf dem höchsten Punkt angelangt waren, gab es kalte Cola, und ich kam wieder zu mir. Den Weg zum Auto und zum Lidl, das wir auf dem Hinweg entdeckt hatten, fanden wir problemlos, aber anschließend waren wir einigermaßen verwirrt: Unser Navi hatte von den Kindern den Namen Jeanette erhalten, und sie muss wirklich extrem blond sein. Vermutlich das einzige Navigationssystem, dem man (durch hartnäckiges Ignorieren sämtlicher falscher Vorschläge) den Weg erklären muss. Wir haben irgendwann einen Möbelladen wieder erkannt und so bemerkt, dass uns Jeannette offenbar in die Wüste, oder besser, an den Strand schicken wollte. Wir haben uns gegen den blonden Sturkopf durchgesetzt und irgendwann den Weg zurück in unser Touristenghetto gefunden. Abends haben die Kinder bis 22 Uhr Fußball mit anderen Kindern gespielt. Wie übrigens fast jeden Abend später. Wir erfuhren irgendwann, dass nichts los war mit den Kids, bis unsere kamen ;-)

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