Das Drehbuch-Business
Wie das Fernsehen Autoren vernichtet.
Dieser Beitrag (gefunden via Drehbuchautorenforum) passt doch gut zur Heidenreich - MRR-Debatte, zum Deutschen Fernsehpreis und zum deutschen Fensehen überhaupt.
Ich hatte mit verschiedenen Drehbuchautoren näher zu tun, und auch meine eigenen Kontakte zu Produktionsfirmen bestätigen das, was im Artikel gesagt wird.
Anfangs genügt ein falsches Wort (von dem man nicht wusste, dass man es nicht hätte sagen sollen, obwohl das gute Recht gebietet es zu sagen) um eine potenzielle Zusammenarbeit nachhaltig zu verhindern.
Später muss der Autor eines vielleicht genialen Drehbuchs zähneknirschend mit ansehen, wie daraus ein Machwerk wird. Zumindest sind es häufig Verschlimmbesserungen, die ein Drehbuch erleiden muss. Erst sägen die Firmen dran herum, dann die Fernsehredaktionen.
Und wenn er das überhaupt noch will, wo doch häufig nichts übrig bleibt, von der Vision, die er einmal hatte.
Schlimmstenfalls bekommt man eine mickrige Abfindung und ein kompatiblerer Autor fummelt weiter an der Idee herum, die man selbst einmal hatte, krempelt sie auf links und verbiegt den Stoff, bis er knittert. Und der ursprüngliche Autor hat am Ende eine Erwähnung als Co-Autor. Wenn überhaupt. Und nach all den Serienstarts im vergangen Jahr, bei denen vieles nach der Pilotfolge direkt eingestampft wurde, muss ich ja wohl schon fast froh sein, dass die Produktionsfirma, die aus meinem Berlin-Krimi "Wer zuletzt lacht, lebt noch" eine Serie (!) machen wollte (wohlbemerkt: Sie sind auch MICH zugegangen, nicht umgekehrt), sich erschrocken zurückzog, als ich das Wort: "Optionsvertrag" erwähnte. Eine Firma, die bekannte Stoffe (auch Reihen und Serien) produziert, wohlbemerkt.
Optionsverträge sind absolut üblich, wenn auch in Deutschland lächerlich niedrig dotiert, nicht wie in den USA, wo Heerscharen von Drehbuchautoren stattliche Jahreseinkommen durch Optionsverträge haben, ohne dass je ein Drehbuch von ihnen verfilmt würde.
Die Stoffe, die es ins Fernsehen schaffen, sind das, was ich kürzlich schon erwähnte: Weichgespültes, deutsches Mittelmaß. Stoffe, mit denen man niemandem wehtut. Umgesetzt von Schauspielern, die die Intention nicht verstehen, mit Dialogen, bei denen sich mir gelegentlich die Fußnägel aufrollen, und bei denen ich sicher bin, dass sie NICHT aus der Feder des Drehbuchautors stammen, der die gute Grundidee hatte. Es gibt Ausnahmen, wie "Berlin, Berlin" oder "Türkisch für Anfänger" beispielsweise. Beide Serien wurden nicht umsonst mit Preisen bedacht.
Aber wo gibt es gute deutsche Dramedy? Die komischen Elemente versucht man hierzulande auch beonders lustig, lustig, hach wie bin ich witzig, rüberzubringen. Aber bei gut gemachter Dramedy ergibt sich die Komik aus dem Blickwinkel. Das Problem ist für den betroffenen Protagonisten absolut ernst. Trotzdem - oder gerade deswegen - liegt der Zuschauer vor Lachen unterm Couchtisch.
Nicht mal Adaptionen ausländischer - gut gemachter - Stoffe (ich spreche vorwiegend von Serien, da ich mich damit bislang am intensivsten beschäftigt habe), gehen im deutschen Fernsehen glatt durch. Was in z.B. England funktioniert und einen tieferen Sinn hat, wird hier oft missverstanden, 1:1 - und damit sinnentleert - übernommen, oder glattgehobelt und - ja, eben - weichgespült.
Damit ist weder bei den leidgeprüften Drehbuchautoren noch bei den Zuschauern, auf Dauer ein Blumentopf zu gewinnen.
Wie gesagt, für alles gibt es Ausnahmen. Es gibt gut gemachte Filme und Serien, auch in Deutschland. Nur nicht annähernd genug. Und es mag auch traumhafte Bedingungen für Drehbuchautoren geben, irgendwo hinter den sieben Bergen bei den sieben Zwergen. Aber alles, was ich in dem Beitrag von Markus Stromiedel gelesen habe, habe ich von anderen Kollegen ebenfalls gehört. Etliche haben mir davon abgeraten, mich auch in die Drehbuchhölle zu begeben, weil ja doch nichts als Frust am Ende stünde. Besser bezahlt als Bücher, das ja, aber zu welchem Preis?
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