Hamse den ooch in blau?

Neulich in der Gruft…
Nein, gar nicht wahr: Neulich im Sarglager.
Ja, da war ich. Freiwillig.
Da gab es nämlich eine Lesung von Luci van Org. Schon mal gehört?
Ja, genau, "Weil ich ein Mädchen bin"-Lucilectric, die mir hinterher versicherte, dass viele Eltern sie hassen würden, weil ihre Kinder, pardon - Mädchen! - das Lied rauf und runter gespielt hatten.
Ihre Stimme kann mehr als "Mädchen", davon konnte ich mich zwischen den spooky Storys überzeugen, als sie die passenden Lieder sang und sich selbst auf der Gitarre begleitete.
Überhaupt ne sehr nette Frau, die Luci :-)
Im Anschluss an die Lesung, gab es einen Empfang mit Wein und Sekt und Chili con carne (nein, ich habe NICHT gefragt, um welche Art Fleisch es sich handelte!!!) im Sarglager. Von dem ich Dödel keine Fotos gemacht hatte. Dabei stand da ein blauer Sarg.
Ich wollte schon immer in einem blauen Sarg beerdigt werden, dachte jedoch, das wäre ein Ding der Unmöglichkeit. Aber nein, theoretisch kann man JEDEN Sarg blau anpinseln lassen, man sollte diesen Wunsch nur VOR dem Tod jemandem mitteilen, sonst wird es schwierig mit der Kommunikation.
War im übrigen nicht mal teuer, das gute Stück, und auch der dort ausgestellte Designersarg ("Schau mal, das ist ein Designersarg!" - Da wären wir andern NIE drauf gekommen *stöhn*) in Schwarz und rötlichem Holz mit Kugeln drauf war durchaus erschwinglich.
Ich hab es ja nicht so mit dem Tod, das Thema ist für mich eigentlich no-go, aber in dieser Athmo war alles nur halb so schlimm.
Fast hätte ich sogar laut losgeprustet: Als ich mir die Deckelbetten so betrachtete, kam ein Angestellter zu mir und fragte, ob er mir helfen könne…
Ich habe ihn dann gefragt, wie eigentlich eine Trauerfeier abläuft, wenn man aus der Kirche geflüchtet ist, u.a. weil man sich den Unsinn nicht anhören will, den der Pfarrer am Grab über einen verbreitet. Naja, okay, wenn man Glück hat, hört man es ja selbst nicht ("Hey, gibts im Sarg ne eingebaute Klingel, Mr. Poe?!"), aber den Angehörigen muss man das ja auch nicht antun.
Ich habe dann gelernt, dass man einen weltlichen Redner bestellen kann. Im Vorgespräch mit dem Bestattungsinstitut weiß der feinfühlige Bestatter gleich, welcher Redner für die jeweilige Person in Frage käme (wow!) und mit dem könne man dann die Einzelheiten klären.
Gelegentlich sprechen auch Freunde und Bekannte, die das aber mitunter nicht durchhalten, wen wundert´s?
Selten, aber auch das kommt vor, wird nur Musik gespielt.
Tja, Leute, dann denkt dran, ich will Eternity hören. Danach weine ich dann ein bisschen vor mich hin und gehe endgültig in die ewigen Jagdgründe. Oder so.

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Kommentare:


Es gibt sehr coole Särge, neulich habe ich einen aus Ratan gesehen. Überhaupt gibt es inzwischen auch sehr spezielle Bestattungen, die müssen nicht immer sooo traurig und trübe sein. Und wenn Du bestimmte Dinge zu Deiner Beerdigung wünschst, dann das aufschreiben (es gibt ja Testamentvordrucke wo solche Zettel beiligen, wo man nur noch Kreuze machen muss zwecks Feuer- oder Erd-, Seebestattung etc. und an der Stelle aufbewahren, wo Deine wichtigen Unterlagen sind. Bloß nicht beim Testament, das wird oft erst nach der Bestattung eröffnet. Das zu tun ist meiner Meinung nach eine Pflicht gegenüber den Hinterbliebenen – denn es erspart ihnen viel Probleme in einer für sie eh schweren Zeit.

——-

creezy  am  17. Oktober 2006




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