Antiquariat
Gerade kam ich am Bücherregal oben im Flur vorbei, und wie so oft, fiel mein Blick auf die fünf Bände "Professors Zwillinge" von Else Ury. Nicht die Originalausgaben natürlich, sondern irgendwas aus den 60er oder 70er Jahren, aber trotzdem antik
Ich habe diese Bücher wieder und wieder gelesen. Unvergessen eine Szene im ersten Band, in dem die Zwillinge noch klein sind und noch 'Bubi' und 'Mädi' genannt werden: Bubi ist neidisch auf Mädis Zöpfe, schneidet (mit ihrem Einverständnis) einen ab und klebt ihn sich mitten auf die Stirn… Ich hätte sowas nie getan (war ja ein braves Mädchen) und meine Kinder hatten zum Glück diese Ambitionen auch nicht (die machen dafür aber wirklich alles kaputt, was sie in die Finger kriegen… anderes Thema), aber sie hatte für mich als Kind einen großen Unterhaltungswert. Die Erlebnisse in der Waldschule mochte ich, und es hatte auch einen besonderen Zauber für mich, als die Familie dem Vater beruflich nach Italien und ins "Sternenhaus" folgt. "Von der Schulbank ins Leben" stimmte mich stets ein wenig traurig, da erstens die fünfbändige Geschichte damit zu Ende war, und es sich um einen Lebensabschnitt handelte, den ich selbst damals nicht nachvollziehen konnte.
Ich habe die Bücher seit meiner Kindheit nicht mehr gelesen, auch jetzt nicht hineingeschaut. Ich habe mir beim Lesen nie Gedanken darüber gemacht, ob Else Ury (die ja auch 'Nesthäkchen' geschrieben hat) die Geschcihten so mühelos aus der Feder flossen, wie sie sich lasen. Ob sie nicht auch manchmal am liebsten die Zwillinge in die Verbannung geschickt hätte, oder ähnliches. Das ist vielleicht auch das Schöne: Dass man sich als Nicht-Autor solche Gedanken nicht machen muss macht. Obwohl ich ja damals schon Schriftstellerin werden wollte. Aber da kannte ich den Buchzirkus ja auch noch nciht
Else Ury hatte dafür jedoch ganz andere Probleme, von denen ich in meiner 60er / 70er-Jahre-Kindheit auch nichts wusste: Sie starb 1943 im KZ Auschwitz.
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