Quieka 27.6.2002 - 6.2.2008

Du kamst an Riekes 10. Geburtstag zu uns. Als sie sich bei meiner Freundin ein Meerschweinchen aussuchen durfte, war es Liebe auf den ersten Blick. Du warst noch ein Baby und man hatte dich wegen deiner glatten, seidig glänzenden schwarzen Haare Blacky getauft. Doch du hast deine neue Besitzerin freundlich angequiekt, und sie nannte dich Quieka. Meist wurdest du von allen liebevoll "Quie" gerufen.
Ein Nachruf auf ein Meerschwein? werden sich die Leute fragen, aber du warst nicht irgendein Schwein, du warst eine ganz besondere Schweinedame. Lieb und sanftmütig, ein wenig introvertiert vielleicht - ebenso wie deine Besitzerin. Ein perfektes Team - Rieke und Quieke.
Ein halbes Jahr später zog deine Schwester hier ein. Auch sie kam zu einem Geburtstag, der fünfte von Riekes kleiner Schwester war es. Auch hier charkaterliche Übereinstimmung zwischen Schwein und Besitzerin: Strubbelig, wuselig, lieb, aber ein bisschen frech. Wir mussten deine Schwester in einen anderen Käfig setzen, weil sie dich immer piesackte, und das wollte Rieke nicht zulassen.
Rieke hat mit dir gekuschelt und gespielt. Sie hat sich gefreut, wenn du beim Quieken deine kleinen Pilzohren nach hinten bewegt hast. Du hast Rieke getröstet, wenn sie traurig war. So traurig wie jetzt war sie noch nie, aber nun kannst du sie nicht mehr trösten. Deine schwarzen Knopfaugen sind für immer geschlossen.
Du warst nie krank. Es ist auch nichts mit dir gewesen, als Riekes kleiner Bruder dir versehentlich das Fliegen beigebracht hatte. Nur in letzter Zeit wolltest du plötzlich nicht mehr so recht fressen. Sogar deine Lieblingsspeise hast du verschmäht. Vorgestern waren wir dann beim Arzt. Die Ärztin war freundlich, aber um die in den Hals schauen zu können, musste sie dir ein hässliches Gestell zwischen die Zähne montieren. Rieke fand das schrecklich, aber du hast nur ganz kurz ein empörtes Quietschen von die gegeben. Nicht mal bei der Spritze mit dem Antibiotikum hast du dich beschwert. Tapferes Schwein.
Atemwegsinfektion hat die Ärztin gesagt. Wir haben gehofft, es wird wieder. Aber du warst eine alte Dame. Graue Haare haben dein wunderschönes schwarzes Fell durchzogen. Mit fünfeinhalb steckt man Krankheiten nicht mehr so weg. Am Morgen hab ich dir noch Rotlicht gegeben, aber du sahst sehr schlapp aus. Ich hab dich gestreichelt und musste dann kurz weg. Als ich wiederkam schaltete ich die Rotlichtlampe noch einmal ein, aber du hast dich nicht bewegt. Konntest du auch nicht mehr.
Als Rieke von der Schule kam, sah sie fröhlich aus, weil sie dachte, es geht dir wieder gut. Furchtbar, sie weinen zu sehen. Du warst ihr immer eine gute Freundin. Sie dir auch. Sie hat dich unter unserem Walnussbaum begraben.
Du warst ein prima Schwein, Quie. Vermutlich das beste Schwein der Welt. Wir vermissen dich und dein fröhliches Quieken. Mach es gut und halt deine kleinen Pilzohren steif.

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Kommentare:


Tut mir furchtbar leid für deine Tochter. Es bricht einem wirklich jedesmal wieder das Herz bei sowas.

Mela  am  07. Februar 2008



Lieb, dass du Anteil nimmst, Mela.

Ich hab auch wieder geheult, als ich das geschrieben habe. Auch wenn es “nur” ein Tier ist. Aber Rieke kann sich beispielsweise an das Leben vor Quieka kaum erinnern. Sie war einfach immer da.

Heute ist sie nicht in der Schule, weil sie sehr schlecht geschlafen und noch schlechter geträumt hat.

——-

petra.bauer  am  07. Februar 2008




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