5. Dezember

Wenn ihr die 5. Tür öffnet, könnt ihr einen Blick über den großen Teich erhaschen, denn beim heutigen Buchgewinn handelt es sich um meinen zweisprachigen Mädchenroman A Heart in New York - Ein Herz in New York.

Leider fällt es mir gerade ein wenig schwer mich auf eine Aufgabenstellung zu konzentrieren, denn mein doofer Weisheitszahn, der eigentlich wieder Ruhe gegeben hatte, fühlte sich nach dem letzten Essen wohl in selbiger gestört und tut jetzt so richtig fies weh. Klar, es ist ja auch Samstagabend.

Die Nelke in der Backentasche hat heute nix betäubt, also hab ich eben eine Paracetamol eingeworfen, kippe Glögg (schwedischen Glühwein) hinterher und warte darauf, dass die Wirkung einsetzt...

Gut, dann wird die Frage heute mal nicht direkt was mit dem o.g. Buch zu tun haben. Aber ich möchte gerne wieder einen Vierzeiler oder mindestens 40 Wörter von euch.

Die Ausgangssituation:

Ihr habt ein Date mit eurem Traummann bzw. der Traumfrau. Während ihr bei Kerzenschein im Restaurant sitzt, bekommt ihr auf einmal tierische Zahnschmerzen (ich könnte euch meine dafür borgen *g*). Ihr werdet immer einsilbiger, könnt auch nicht weiter essen, wollt das Date aber nicht abbrechen. Bemerkt euer Date die Zahnschmerzen oder denkt es, ihr seid langweilig? Oder sagt ihr was? Klingt das wie eine Ausrede? Und welche verrückte Idee hat euer Gegenüber, um euch von den immer schrecklicher werdenden Schmerzen zu befreien? Herumspinnen ausdrücklich erlaubt!

AHeartInNewYork2009

UPDATE:

Die heutige Gewinnerin ist Marion Penzkofer! Herzlichen Glückwunsch!

Ich möchte mich auch noch ganz herzlich für die vielen Mails bedanken, die mich darin bestärkt haben, dass es ok ist, dass ich die Aufgaben so stelle. Ich freue mich sehr, wie viele Leute sich die Mühe machen, die Aufgaben auch zu erfüllen. Und jetzt (4.12.) verkrümle ich mich mit meinen Zahnschmerzen ins Bett, weil ich nicht mehr geradeaus denken kann und werde die Ziehung für meine Glücksfeen erst morgen früh vorbereiten. Sorry. Am nächsten Tag wieder normal. Hoffe ich. Ich danke euch allen für die Besserungswünsche! Haben schon ein wenig geholfen :-)

Mit klopfendem Herzen warte ich heute,
auf meine absolute Traummannbeute,
er ist zum Candle-Light-Dinner etwas spät,
gehört sich das zum ersten Date?

Gecremt, gestylt und in der besten Kluft,
noch parfumiert mit dem teuersten Duft,
so sollte es heute einfach gelingen,
der Funke muß nun überspringen.

Nun kommt er zur Tür rein, bringt `ne Rose mit,
sieht aus wie `ne Mischung aus Clooney und Pitt,
doch in diesem Moment, und das macht mir große Sorgen,
bekomm ich Zahnweh, mußte ich von Frau Bauer borgen. ;-)

Gequält verziehe ich mein Gesicht,
und hoffe, er bemerkt es nicht,
vor ein paar Minuten war ich noch völlig gesund,
jetzt zieht es ganz schmerzlich in meinem Mund.

Galant schält sich mein Date aus der Jacke,
und ich bekomm schon `ne dicke Backe,
höflich entschuldigt er sich für die Verspätung,
hat mein Zahnarzt im Urlaub eigentlich `ne Vertretung?

Er plaudert sofort nett drauf los im Nu,
doch ich hör ihm eigentlich gar nicht zu,
Mist, er gefällt mir doch soooooo sehr,
doch die Schmerzen werden immer mehr.

Ich kann mich gar nicht mehr ablenken
und an Essen und Trinken ist gar nicht zu denken,
er sagt: "Du bist doch nicht gesund....",
und dann fragt mich nach dem Grund.

Mittlerweile bin ich jetzt auch richtig sauer,
und erzähl ihm von der Autorin Petra Bauer,
eine Geschichte oder Gedicht will sie erleben,
deshalb hat sie ihren Lesern ihre Schmerzen gegeben.

Mein Gegenüber fängt an zu lachen,
"Mensch, das kann die Frau Bauer doch nicht machen",
damit wir finden unser Liebesglück,
gibst Du ihr die Schmerzen jetzt zurück.

Also Frau Bauer, tut mir echt leid,
aber das geht jetzt wirklich viel zu weit,
ich hab versucht, hier was zu gestalten,
aber die Zahnschmerzen können Sie behalten. ;-)

(Astrid Honikel)

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Er schaute mich mit großen braunen Augen traurig an. Ich wußte, er dachte, dass dieses Date ein Fehlschlag war. Ich beschloss, ihm von meinen Zahnschmerzen zu erzählen. Lächelnt holte ich ein Coolpack aus meiner Handtasche und hielt es an meiner schmerzenden Backe. Eis betäubt Zahnschmerzen immer noch sehr gut!
Ich habe mich so auf das Date gefreut und ich wollte es auf keinen Fall ausfallen lassen, beichtete ich.
Da wird es wohl nichts mit dem essen, sagte er und bestellte mir einen doppelten Mojito mit viel gecrunchten Eis!

(Susanne Haun)

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Mein Traummann sitzt mir gegenüber und wundert sich über meine immer langsamer werdenden Kaubewegungen. Ich springe auf und renne zur Toilette, krame wie wild in meiner Handtasche herum, bis ich endlich mein Wundermittel gefunden habe: Eine Schmerztablette. Und dann nichts wie hinein damit. Obwohl eigentlich kann ich gar keine Zahnschmerzen haben, denn ich war doch erst vormittags beim Zahnarzt und der hat alles für in Ordnung befunden und jetzt das. Wochen habe ich auf dieses Date gehofft und nun ist alles dahin. Nein, das kann nicht sein, nur Einbildung. Ich muss wieder hinaus, zurück an den Tisch. Ich verlasse die Toilette, hektisch, betrete das Lokal und mein Date ist................weg. Ich renne Richtung Tisch, stolpere über einen Teppich, falle hin, streige beim Fallen den herannahenden Kellner, diesem fällt das Tablett mit den Getränken für den Nachbartisch um. Ooooh, welches Drama. Doch dann höre ich von weitem eine zärtliche Stimme: Schatz, das Frühstück ist fertig, wach auf.
Zum Glück, alles war nur ein Traum und mein Date ist ja ganz anders gelaufen. Da steht er, alles war wunderbar. Die Welt ist wieder in Ordnung.

(Iris Gasper)

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Er sitzt mir gegenüber. Absichtlich langsam stecke ich mir Essen auf die Gabel, kaue länger auf den Bohnen herum als üblich, nur um nicht sprechen zu können. Und trotzdem müsste ich, denn er gibt sich extra Mühe, ein Gespräch aufrecht zu erhalten. Er legt Pausen zwischen dem Essen ein, guckt mich immer wieder aufmunternd an, stellt Fragen über meine Einstellungen. Was tue ich nur? Was jetzt? Schon wieder auf's Klo laufen? Was denkt er nur von mir?

Ich bekomme eine kurze Schnaufpause, die Diskussion der zwei Herren am Nachbartisch hat sich entwickelt, sodass die beiden jetzt lautstark darber diskutieren, ob und wann der Aktienkurs der Deutschen Post jemals wieder aufsteigen wird. Total uninteressant, aber durch die Lautstärke haben sie immerhin die Aufmerksamkeit des gesamten Restaurants bekommen - und von mir abgelenkt, was mir nur recht ist.

"Schmeckt dir das Essen nicht? Du wirkst so abwesend..?" Ich hatte garnicht bemerkt, wie ich das Essen auf dem Teller hin und hergeschoben hatte während der heißen Diskussion über Aktien. Etwas schuldbewusst gucke ich auf die elendigen Häufchen auf meinem Teller. Wie soll ich mich auf das durchaus nicht schlechte Essen konzentrieren, wenn mir meine Macke höllisch weh tut und ich gleichzeitig so tue, als ob nichts wäre?
"Oh, nein, das ist es nicht. Ich war etwas am Philosophieren.", murmle ich. Was jetzt? Was jetzt? Auffordernd guckt er mich an. Diesmal habe ich keine Chance, wieder mit dem Essen eine Ausflucht zu finden. "Was hälst du von Putin?", platzt es aus mir raus. Politische Diskussionen können immer sehr gut ausarten, insbesondere auch einseitig werden, vielleicht rettet mich das. Mein Gegenüber guckt mich etwas perplex an, muss dann aber lachen.
"So schlecht ist das Essen aber nicht", kommt es von ihm zurück. Aber tatsächlich, er runzelt kurz die Stirn, legt die Gabel am Teller ab und stellt legt die Hände in Denkerpose unter seinem Kinn zusammen. "Putin ist ja aktuell in einer ziemlich verzwickten Lage, ..", fängt er an, doch ich höre ihm kaum zu. Immer und immmer wieder schießt so ein stechender Schmerz durch meine Backe. Rettungshelikopter, Geheimagent, Feuer in der Küche, meine eigenartigen Freunde... irgendetwas Absurdes könnte ich jetzt gebrauchen, ohne diesen schönen Abend selbst ruinieren zu müssen.

Ein lautes >Plop< ertönt. Was zum..?

(Janina Bormann)

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Das Date

Er: "Ist was? Du stocherst so in Deinem Essen herum?"
Sie: "Ja, äh, ich weiß nicht. Ich wollte es Dir eigentlich nicht sagen, aber ich hab furchtbare Zahnschmerzen!"
Er: "Aber warum sagst Du das nicht gleich?"
Sie: "Ich wollte Dich nicht gleich mit irgendwas belasten. Das ist doch doof! So gleich am Anfang!"
Er: "Eins sag ich Dir gleich: Ab sofort sagst Du mir alles sofort, was Dich belastet!! Dass das von Anfang an klar ist!"
Und dann fing er an Grimassen zu schneiden. Und sie konnte einfach nicht anders und musste lachen. Da tat der Zahn auf einmal gar nicht mehr so weh...

(Monika Meurer)

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Heute Abend war es also so weit. Ich hatte ein Date mit dem Traum aller Frauen. Herr, was war ich aufgeregt. Heute Abend sollte ich ihn also wiedersehen. Diesen stets zu Scherzen aufgelegten Pyrotechniker. Schon den ganzen Tag stand ich vor dem Schrank um zu sehen, was ich wohl am besten anziehen könnte. Ich verwarf dieses, entschied mich gegen jenes … Und bemerkt in all der Aufregung gar nicht wie sich langsam aber stetig ein pochender Schmerz in meinem Kiefer breit machte. Der fiel mir erst auf, als ich meine Schlüssel schnappte um mich auf den Weg zu meiner Verabredung zu machen. Aber jetzt war es zu spät. Sämtliche Arztpraxen hatten zu und meinem Date konnte ich jetzt auch nicht mehr absagen. Also …. Augen zu und durch. So schlimm würde es schon nicht werden. Dachte ich. Aber wie das so ist mit dem Denken … Meistens kommt es anders. Natürlich blieb meinem Begleiter nicht lange verborgen, dass irgendetwas nicht stimmte. Und schnell hatte er auch herausgefunden, was es war. Und eine Idee, wie man dem Übeltäter auf die Schliche kommt, hatte er auch schon. Dazu bat er mich hinaus. Er durchwühlte seinen „Schlitten“, fand was er suchte und eins, zwei, drei sollte ich meine Zahnschmerzen los sein. Er nahm ein Stück Drachenschnur, band das eine Ende um meinen schmerzenden Zahn und das andere Ende band er um …. OH

du lieber Himmel, mir wird ganz anders. Das andere Ende der Drachenschnur ist um einen Holzstab gewickelt der zu einer selbstgebauten Silvester-Rakete gehört. Die steht ein gutes Stück entfernt in einer leeren Sektflache….. mit brennender Lunte. Na, das hat sich der Gute wohl so gedacht. Aber nicht mit mir. Schnell habe ich mein Maniküre-Etui aus der Handtasche genommen, die Schere gezückt und im letzten Augenblick die Drachenschnur durchgeschnitten. Also, wenn er mich loswerden will, gut und schön … Aber so „abgeschossen“ zu werden, das hat nun wirklich niemand nötig. Auch nicht von einem Pyrotechniker. Und wenn er noch so gute Absichten dabei gehabt hat!

(Silke Köcher)

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Es ist mir schrecklich unangenehm, ausgerechnet heute Zahnweh zu bekommen muss doch wohl ein schlechter Scherz sein. Leider ist mir nicht zum lachen zu Mute. Alex schaut schon ständig zu mir rüber, er denkt sicher ich sei komisch, so still und stochere nur im Essen herum. Da hilft nur, die Situation aufzuklären. "Hör mal, es hat nichts mit dir zutun, aber lass uns bitte gehen. Ich hab furchtbare Zahnschmerzen, ganz plötzlich." Er schaut mich an, wohl um abzuschätzen ob ich das ernst meine. Wahrscheinlich war das unser letztes Date, zu blöd! Doch er blickt ganz mitfühlend, zahlt die Rechnung und nimmt mich draußen an die Hand. "Du hast Glück, denn ich bin auch unheimlich gut im umsorgen." und mit einem Lächeln bekomme ich einen sachten Kuss. Wir gehen zu mir und er kocht mir Tee, kümmert sich und ist einfach umwefend. Das war ein etwas anderes erstes Date als erhofft, doch nun weiß ich, er ist der Richtige. Wieviele Männer sind schon solche Glücksgriffe? Und die Zahnweh, die waren plötzlich nur noch halb so schlimm...
(Petra Henneberg)

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Eigentlich hat das Sprichwort „Es ist noch niemand vor einem vollen Teller verhungert“ recht, doch ich bin jetzt im Begriff, genau das zu tun. Vor mir ein Traum von einem Filetsteak und gegenüber mir ein Traum von einem Mann…und keins von beiden kann ich wirklich würdigen, denn in meinem hinteren Backenzahn tobt ein mittlerer Weltkrieg. Gott sei Dank ist mein Begleiter begeisterter Bergsteiger und erzählt davon mit Hingabe, so dass ich meinen Gesprächsbeitrag in zustimmendem Nicken, ab und an eingeworfenem „Wirklich?“ und Lächeln leisten kann. Mein Blick heftet sich auf die Schnapsflaschen auf dem Digestif-Wagen. Alkohol soll Schmerz betäuben…hicks.

(Marion Penzkofer)

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Das Date schien in einem großen Desaster zu enden. Meine Zahnschmerzen verschlimmerten sich von Sekunde zu Sekunde. Alles machte mir keinen Spaß mehr. Und an den Reaktionen meines Traummannes bemerkte ich, dass es ihm auffiel, dass irgendetwas mit mir nicht stimmte.
Daraufhin gestand ich ihm was mit mir los war. Und er meinte, das würde sich ja gut treffen, gerade eben hätte er eine fantastische Ausbildung zum Hypnotiseur absolviert. Wir fuhren zu ihm nach Hause und dort versetzte er mich mittels seiner Fähigkeiten in Hypnose und gab mir während der Sitzung zudem den Befehl am nächsten Tag unbedingt einen Zahnarzt aufzusuchen. Und versprach mir keine Schmerzen während der Behandlung zu spüren.
Er wollte mich sogar begleiten...Ist das nicht toll? Denn was nützt einem der beste Traummann, wenn er in schwierigen Lebenssituation kneift? Dieses Date wird mir unvergesslich bleiben, denn ich wurde nicht nur von meinen schlimmen Zahnschmerzen befreit, sondern lernte auch meinen späteren Ehemann kennen. Wir sind jetzt 15 Jahre verheiratet.

(Helen Neuenhofer)

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Wenn ich bei dem Date schreckliche Zahnschmerzen bekommen würe, würde ich kein Wort darüber verlieren und versuchen mich so normal – wie in dieser Situation eben möglich – zu verhalten. Da es sich jedoch um eine Verabredung mit dem Mann meiner Träume handelt, würde dieser natürlich innerhalb kürzester Zeit herausgefunden haben, was mit mir los ist! J Von meinen ungeheuerlichen Schmerzen würde er mich dann folgendermaßen befreien: Da er eben mein Traummann ist, würde er genau wissen, dass ich an die Kraft von Sternschnuppen glaube. Er würde mich daher auf den höchsten Berg in unserer Umgebung „entführen“, da ausgerechnet heute eine Nacht der Sternschnuppen ist (was für ein Zufall *g*). Sobald ich dann einen Stern vom Himmel fallen sehe, wünsche ich mir ganz fest, dass meine Schmerzen vergehen. Wundersamerweise geht mein Wunsch auch sogleich in Erfüllung und ich kann den Rest des Abends in vollen Zügen genießen! J

(V.K.)

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Es war meine erste Verabredung mit Mme L'Orchideeblanche. Im Gegensatz zu ihrem Namen war sie glänzend schwarz und wog zweihundert Pfund. Die Pfunde indes waren wohlverteilt und ihre Bewegungen waren äusserst graziös.

Wir sassen auf ihrer Veranda und schauten zwischen den Palmenstämmen hinaus auf's Meer. Drei Kerzen flackerten in verrussten Konservengläsern.

Mich hatte sie fasziniert, bevor ich wusste, wer sie war. Ich hatte sie zuerst auf dem Markt gesehen, ihre Augen hatten mich gleich gefangengenommen und dann ihre, naja, opulente Weiblichkeit. Ich starrte sie fast ungehörig an, sie musterte mich. Als ich zaghaft lächelte, lächelte sie ebenfalls, dann ging sie weiter. Ich sah, wie sie Autorität ausstrahlte, dass sie geachtet und respektiert war an den Marktständen, wie sie bevorzugt behandelt wurde..

Später erfuhr ich, sie war auch gefürchtet. Kein Mann an der Karibikküste hätte es gewagt, sie anzumachen. Mme L'Orchideeblanche war eine Voodoopriesterin.

Am Nachmittag sah ich sie, als sie mit ihrem Bündel und Körben an der Strasse auf einen Bus wartete. Ich hielt an und fragte, ob ich sie ein Stück mitnehmen könnte

Ja, das könnte ich sehr wohl.

Im Auto füllte sie ihren Sitz aus, ihre Körperlichkeit war überwältigend. Ich fragte sie, wo sie wohnte. Das würde sie mir zeigen. (Es war am Ende einer staubigen Strasse in einer Hütte beim Strand.)

Wohnte sie da alleine? Ja, das würde sie.

Ob ich sie wohl einmal zum Essen einladen dürfte? Das lehnte sie lächelnd ab, aber sie würde mich zum Dank gerne zum Essen einladen. Heute abend, ich wüsste ja dann, wo sie wohnte. Und ob ich kaltes Bier mitbringen könnte.

Sie hat einen grossen Meeresfisch in Blättern gedünstet, dazu gibt es frijoles refritos, braunen Bohnenbrei.

Wir trinken das Bier und ich bestreite die Konversation fast ganz allein. Erzähle, wo ich schon überall war, was ich alles gesehen habe, was ich alles erlebt habe, wie wichtig ich bin. Ich fühle mich grossartig, bin Charmeur und fühle mich einem Liebesabenteuer näherkommen. Madame lächelt mir zu, der Mond steht über dem Meer, silberne Wellen laufen auf den Strand, der Nachtwind fächelt.

Im selben Moment, als ich ihre Hand nehmen will, um ihr zu sagen, dass ich heute Nacht gerne bei ihr bleiben möchte, beisse ich auf etwas Hartes.

Au, mein Zahn. Ein Stich in den Backenzahn. Ich verziehe das Gesicht vor Schmerzen. Madame lächelt weiterhin.

Dann nimmt sie ihren Löffel und fängt an, die Reste Bohnenpaste in der flachen Schüssel zusammen zu kratzen. Konzentriert formt sie eine kleine Figur, formt einen Kopf, mit einem grossen, grossen offenen Mund und darin kleine Zähne.

Ohne ein Wort zu sagen steht sie auf und kommt mit einem Schüsselchen mit Kräutern zurück. Sie dreht aus ihnen ein erbsengrosses Kügelchen, nimmt eine lange spitze Gräte vom Fischgerippe und steckt es darauf. Über der Kerzenflamme bringt sie das Kügelchen zum qualmen und steckt das spitze Ende in den weit geöffneten Bohnenbreimund, da wo der Backenzahn sitzt.

Während das Kräuterbündelchen in Rauch und Asche aufgeht, merke ich wie der Schmerz nachlässt und plötzlich weg ist.

Sie legt mir ihre Hand an die Wange, schaut mir in die Augen und sagt mit ihrer tiefen heiseren Stimme: „La bonne temps a partir, n'est-ce pas, mon ami?“

(Für Nicht-Franzosen: Die richtige Zeit zu gehen, nicht wahr, mein Freund?)

(Reinhard Häpp)

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Ein bohrender Schmerz macht sich bemerkbar. Nein! Das darf jetzt nicht sein! Das nicht!

"Du erzählst so unheimlich interessant!" Er sieht mir tief in die Augen.

Ich lächele gequält. "Ja?" Etwas Intelligenteres fällt mir nicht ein. Was soll ich nur tun?

"Darf ich dir noch ein Dessert bestellen?" Er greift nach der Karte.

"Nein!" Ich schreie es fast. Kalt und süß, das ist das Letzte, was ich jetzt noch brauchen kann.

"Was ist mit dir?" Seine Stimme klingt warm und besorgt. Wenn ich jetzt nicht solche Zahnschmerzen hätte, könnte ich es wirklich genießen... "Langweile ich dich?" Er macht eine Geste, als wolle er aufstehen.

Nur das nicht! "Ich habe Zahnschmerzen", bringe ich kläglich hervor.

"Zahnschmerzen?" Sein Gesichtsausdruck wird plötzlich geschäftig. "Pass auf. Ich zahle gerade, und dann fahren wir in die Praxis."

Ich Esel! Ich hatte vergessen, dass er ja Zahnarzt ist...

(Inken Weiand)

-------------

Oh weh, oh weh, mein Zahn tut weh!
Ich habe mich so sehr auf dieses Date gefreut
und habe es auch nicht bereut.
Mein Traummann kam zur Tür herein,
sah aus ganz edel und fein.
Er warf mir ein Lächeln zu
und sympathisch fand ich ihn im Nu.
Als er mir dann auch noch eine Rose gab,
war mir klar, dass ich ihn mag.
Das Gespräch verlief sehr gut,
die Schüchternheit ersetzt durch Mut.
Mit ihm konnte man Lachen und Scherzen,
hätte ich doch nur nicht diese Schmerzen!
Meine Mimik wurde nach und nach sehr starr,
und dass er sich langweilte, das war mir klar.
Ich brachte keinen Ton heraus,
das Essen war mir plötzlich ein Graus.
Doch ohne Vorwarnung ganz geschwind,
raste an mir etwas vorbei wie der Wind.
Ich sah mich unauffällig um,
doch jeder andere blieb stumm.
Scheinbar sah nur ich das Wesen,
fast als wär’s nie dagewesen.
Bilde ich mir das nur ein,
oder ist es wirklich da, so klein.
Viel Zeit zum Denken bleibt mir nicht,
denn schon kommt es zu mir, das Fliegengewicht.
Es flirrt und schwirrt um meinen Kopf,
zieht ganz leicht an meinem Zopf.
Das kleine Ding flüstert leise,
doch dabei klingt es sehr weise.
Sie sagt, dass eine Fee sie sei,
bald wäre ich von Schmerzen frei.
Und ehe ich genauer fragen kann,
hält sie etwas an meine Wange dran.
Dreimal klopft sie leicht dagegen,
und es ist ein Segen:
Welch Glück, die Schmerzen sind verschwunden,
dabei habe ich mir nicht einmal ein Tuch umgebunden.
Lächelnd bedankte ich mich bei der Fee,
endlich tut mein Zahn nicht mehr weh.
Doch schnell hat sich die Fee aus dem Staub gemacht,
und den Rest des Abends habe ich gelacht.
Das Date verlief wunderbar -
ob es sich gelohnt hat? Dazu sag ich Ja!

(Nadine Zimmermann)

» » 6. Dezember

« « 4. Dezember



Kommentare:


*Aus dem 4.12. kurz ein 5.12. macht*
Einen frohen zweiten Advent wünsche ich!

tanine  am  05. Dezember 2010



Gute Besserung!

Anja  am  05. Dezember 2010



*Singmodus an*:

“Das Ding muß raus,
das Ding muß weg,
das hat doch alles
keinen Zweck!”

Von mir ebenfalls gute Besserung und trotz allem einen schönen zweiten Advent! :-)

Hatte dieses Jahr das selbe Vergnügen, natürlich ebenfalls an einem Wochenende.
Der “Bösewicht” konnte nur durch kieferchirurgische Maßnahmen davon abgehalten werden sein Unwesen fortzusetzen.

Ich hoffe, bei dir wird es nicht ganz so schlimm! *daumendrück*

Cornelia Brannaschke  am  05. Dezember 2010




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