Traumberuf Mutter und Schriftstellerin
Die Zeitschrift KINDER (für Eltern, Erzieher und Kinder, habt ihr vielleicht schon in einer Kinderarztpraxis, beim Frauenarzt, in Kinderkrankenhäusern etc. liegen sehen. In der Juli-Ausgabe 2008 hat Petra Plaum drei Autorinnen interviewt, die Schreiben und Kinder unter einen Hut gebracht haben - darunter auch mich. Aber lest doch selbst. Ich habe den Artikel in Auszügen mit Erlaubnis der Verfasserin hier eingestellt:

Morgens Schriftstellerin, mittags Mama
von Petra Plaum
Viele Mütter träumen von einem Leben als Buchautorin, aber ist es auch ein Traumleben? Drei Schriftstellerinnen, die spät in den Beruf einstiegen, berichten.
Schriftstellerin sein - für viele Mütter klingt das nach einem Traumleben. Von zu Hause aus arbeiten, mit freier Zeiteinteilung! Ab und zu Lesungen veranstalten, Interviews geben - schön, oder?
“Ja”, bestätigt Petra A. Bauer und strahlt übers ganze Gesicht. Für die Berlinerin ist Schriftstellerin wirklich der ideale Beruf. Morgens, wenn ihre vier Kinder in Richtung Schule entschwunden sind, holt die studierte Stadtplanerin sich die große, weite Welt in ihr fünf Quadratmeter kleines Homeoffice. Der Vormittag ist die Zeit, in der Petra A. Bauer schreibt. Aktuell übrigens einen historischen Krimi, zwei Jugendbücher und eine Reihe von Glossen für ein Internetmagazin.
Schriftstellerin werden - dieser Traum kann auch für Menschen weit jenseits der 20 in Erfüllung gehen. Andrea Maria Schenkel (46) hat es mit ihrem Bestseller “Tannöd” vor Kurzem wieder bewiesen. Klar, Bedarf an Lesestoff besteht im Prinzip immer, schließlich erscheinen pro Jahr fast 100.000 neue Bücher allein in Deutschland. Doch über Nacht klappt der Durchbruch selten. Außer Begabung brauchen Neueinsteigerinnen vor allem Geduld und Organisationstalent.
Für Petra A. Bauer war es immer normal mehrere Dinge gleichzeitig zu tun. Schließlich hat sie gleichzeitig studiert und sich um ihr erstes Baby gekümmert, das sie 1989 im Alter von 24 bekam. Hat gleichzeitig am Diplom gearbeitet, Kind eins erzogen und Baby Nummer zwei ausgebbrütet. Baby drei war noch ziemlich klein, da schrieb die Mama bereits Artikel für den “Nordberliner” und entwickelte für eine Grundschule die Schulzeitung. “Als die Jüngste in den Kindergarten kam, stellte sich die Frage, womit ich denn nun Geld verdienen soll. So viele Menschen verschwenden ihr Leben mit einem Beruf, den sie nicht mögen - ich wollte meines nicht verschwenden.” Petra A. Bauer lacht.
Dass ihr Mann ein gutes Einkommen bezieht, half natürlich. Dass sie das Medium Internet liebt, ebenfalls. Denn im Internet knüpfte sie in Mütterforen und Autoren-Mailinglisten Kontakte zur Verlags- und Medienbranche. Sie zog sich erste Aufträge für Artikel und Werbetexte an Land. Und lernte die Wirtschaftsautorin Karina Matejcek kennen, die 2003 fragte: Könntest du dir vorstellen, mit mir einen Ratgeber für berufstätige Mütter zu schreiben?
2004 erschien “Mama im Job” bei Redline. Der Auftrag fürs nächste Buch ergab sich ein Jahr später: Die Lektorin der Krimiserie “Tatort Ost” des Mitteldeutschen Verlags kannte Petra A. Bauer bereits und fragte, ob sie nicht mal einen Krimi verfassen wolle. Somit hatte Petra A. Bauer die erste Hürde zum Erfolg schon mal überwunden: einen Verlag zu finden. Die 231 Seiten füllen musste die Autorin trotzdem allein. (...) Und tatorte für den Berlin-Krimi “Wer zuletzt lacht, lebt noch” mussten auch erst gefunden sein. “Das habe ich beim Sonntagsspaziergang mit meiner Familie erledigt. Dann gab es noch Tage, an denen sie einfach nicht weiterkam. Jeder Autor kennt sie; Petra A. Bauer fand ein spezielles Rezept dagegen: “Wenn ich beim Schreiben mal nicht weiterkomme, grabe ich den Garten um.”
Gut fürs Krimischreiben ist natürlich auch ihr ausgesprochener Galgenhumor. Und dass sie sich nicht mehr vormacht, so ein bisschen Schrieben ginge wunderbar nebenher, neben Kochen, Aufräumen und Hausaufgabenbetreuung: Zeit fürs Schrieben müssen Sie sich nehmen, die gibt Ihnen niemand”, empfiehlt sie anderen schreibenden Müttern. “Wer sich sagt, ich muss erst noch die Wäsche machen, dann den Garten, dann dies und dann jenes, der ist locker tot, noch bevor er die erste Zeile geschrieben hat.”
(...)
Petra A. Bauer hat sich früh viel Wissen über das Schreiben und Veröffentlichen angelesen. “Lesungen sind ja Arbeit; der Verband Deutscher Schriftsteller VS empfiehlt ein Honorar von mindestens 250 Euro plus Fahrtkosten”, gibt sie zu bedenken. “Wer umsonst liest, macht Kollegen die Preise kaputt”. Beide empfehlen Kolleginnen, frühzeitig herauszufinden: Wie viel Vorschuss und Erfolgsbeteiligung zahlen welche Verlage ihren Neulingen? Was kann mit Lesungen, Autorenkursen und Artikeln zusätzlich verdient werden?
(...)
Wer vom Bücherschreiben leben will, sollte also nicht auf den einen Bestseller hoffen, sondern immer dranbleiben.
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