Schreibratgeber für Autoren (1)
Von der Kunst des Schreibens. Julia Cameron.
Mitunter fällt der Groschen pfennigweise.
Bei Dorothea Brande (Schriftsteller werden) hatte ich es noch als viel zu anstrengend empfunden, täglich seitenweise in ein Heft zu schreiben - möglichst bevor man am Morgen mit jemandem gesprochen hatte. Bei Natalie Goldberg (Schreiben in Cafés) begann ich langsam zu begreifen, was dieses “Halten Sie Ihre Hand in Bewegung!” bedeuten mochte.
Aber erst als ich Von der Kunst des Schreibens las, erschloss sich mir der wahre Sinn, der hinter dem Schreiben der Morgenseiten liegt: Man schaltet dabei den verflixten “inneren Zensor” aus, der ständig verkündet, ein Text sei schlecht formuliert, man selbst sei ein lausiger Schriftsteller - vielleicht sogar überhaupt kein Schriftsteller! Diese Zweifel wird jeder kennen, der je versucht hat vollkommene Sätze zu Papier zu bringen.
Julia Cameron schreibt seit dreißig Jahren jeden Morgen drei Seiten in ihre Kladde, und sie gestattet es sich nach Herzenslust, richtig “schlecht” zu schreiben. Im Original heißt das Buch viel treffender:
“The right to write” - Das Recht zu schreiben.
Sie geht davon aus, dass jeder Mensch schreiben kann und darf und dass man sich nicht selbst beschränken und behindern dürfe, dadurch, dass ein innerer Zensor jeden Text mies macht. Sie schildert eindrucksvoll, wie sie mit ihren Manuskripten zunächst einfach nur eine Spur legt, der sie beim Überarbeiten folgt und die sie ausarbeitet.
Zu jedem Kapitel gibt es eine Schreibübung, eine zündende Idee, die sie “Initiation” nennt und die man für das Schreibtraining nutzen kann, wenn man einen Anstoß braucht.
Am eindrucksvollsten war für mich das Kapitel über die so genannte “Führung”, bei der man schreibt, ohne nachzudenken. Ich habe es selbst versucht und war über die Wirkung erschrocken: Ich hatte meiner Hand nie zuvor erlaubt, etwas zu schreiben, von dem ich nicht einmal wusste, dass ich es überhaupt gedacht hatte.
Ich kann das Buch allen Menschen empfehlen, die Lust am Schreiben haben. Hier findet jeder eine Antwort - ob man sich mit dem Aufschreiben der Gedanken nur selbst etwas klar machen möchte oder ob das Ziel heißt: Ich will einmal vom Schreiben leben können.
© Petra A. Bauer, 2004, für den Autoren-Newsletter “The Tempest”
Von der Kunst des Schreibens
Julia Cameron
Droemer / Knaur, 2003
» » Petra A. Bauer - Porträt in der BERLINER MORGENPOST
Dieser Eintrag kann nicht mehr kommentiert werden.
- Kategorien:
- Aktuelles und Neuerscheinungen
- Ankündigungen / Termine
- In Arbeit oder Planung
- In eigener Sache
- Lesungen - Berichte
- Writingwoman in den Medien
- Tipps für Autoren
- Monate im Archiv:
- Oktober 2011
- August 2011
- Januar 2011
- November 2010
- September 2010
- August 2010
- März 2010
- Januar 2010
- Dezember 2009
- November 2009
- Oktober 2009
- September 2009
- August 2009
- Mai 2009
- April 2009
- März 2009
- Februar 2009
- Januar 2009
- November 2008
- Oktober 2008
- September 2008
- Juni 2008
- April 2008
- März 2008
- Januar 2008
- Juni 2006
- September 2004
- Was plane ich denn so?
Montag, 24. Oktober 2011 - NEUAUFLAGE! A Heart in New York - Ein Herz in New York
Mittwoch, 10. August 2011 - VÖLLIG NEU AUFGELEGT - San Francisco Love Affair
Donnerstag, 27. Januar 2011
-
Dienstag, 15. Mai 2012 | BERLIN | FOTOS | MENSCHEN | STREETSTYLE | Unterwegs
Friederike - Berlin, Tauentzienstraße
Foto: Petra A. Bauer | Jacke: Primark (London), Schuhe: Intersport... -
Mittwoch, 09. Mai 2012 | BERLIN | STREETSTYLE | Unterwegs
“Geh doch endlich an dein Handy!”
dachte ich gestern am Tauentzien, als ein Dudelsack-Klingelton einfach kein Ende nahm. Kurz darauf musste ich an den Vortrag von Felix Schwenzel auf der re:publica denken, der in der Gleichung gipfelte: Virtualität gleich Realität. Auf der Kreuzung stand nämlich ein leibhaftiger Dudelsackspieler. -
Montag, 07. Mai 2012 | AUFREGER | BLOGGING | IN EIGENER SACHE
Geld verdienen mit Blogs in Deutschland
Eigentlich hätte ich schon wieder die Überschrift meines vorletzten Postings nehmen können: "Wir müssen reden!" Geld verdienen mit Blogs scheint in Deutschland ein Ding der Unmöglichkeit zu sein, während es in den USA durchaus an der Tagesordnung ist - entsprechenden Arbeitseinsatz vorausgesetzt (Content, Content und naochmal Content!). Einmal ist es ein Reichweitenproblem, nicht zuletzt wegen der Sprachbarriere. Es gibt einfach mehr englischsprechende Menschen als deutschsprachige. Aber zum anderen scheint es ein massives Mentalitätsproblem zu geben - und das lässt sich offenbar nicht so leicht beseitigen. -
Montag, 07. Mai 2012 | Internet | Unterwegs | Veranstaltungen
Zugeflauscht auf dem Affenfelsen
Die Tage 2 und 3 der diesjährigen re:publica waren geprägt von Treffen am "Affenfelsen", den treppenförmigen Gebilden in der Mitte der großen Halle, die zum Meet & Greet mit alten und neuen Bekannten einluden. (Hier geht es zu Tag 1) -
Mittwoch, 02. Mai 2012
“Wir müssen reden!”
Neue re:publica, neue Location - und doch bleibt alles beim Alten. Eindrücke vom ersten Tag der re:publica 2012.






