Schreibblockade bekämpfen - Teil 8
In Teil 7 habe ich erklärt, wie man ein Manuskript in kleinere Häppchen unterteilt. Ziel war es, die zu schreibende Textmenge so klein und überschaubar zu halten, dass kein Fluchtreflex eintritt, sobald man sich an den Rechner setzt um das Buchmanuskript zu bearbeiten.
Nun vermag sich mancher Autor aber trotz allem die Szenen noch nicht plastisch vorzustellen. Der Film, der vor seinem geistigen Auge ablaufen sollte, damit er ihn abschreiben kann, will einfach nicht anlaufen. Er sieht den Abgabezeitraum näherrücken, will möglichst schnell möglichst viel schreiben, es will ihm aber kein knackiger Dialog einfallen und keine schön gestaltete Szene.
Okay, dann eben nicht. Ruhig Blut.
Szenenzusammenfassungen schreiben
Dahinter verbirgt sich, dass der Autor einfach schnöden Anweisungstext schreibt. Bleiben wir beim Beispiel aus Teil 7:
Kapitel 1, Szene 1:
Taganuka sitzt vor seinem Zelt und sortiert Büffelknochen. Die anderen Kinder spielen auf dem Dorfplatz “Ringel Ringel Reihe”. Taganuka denkt darüber nach, warum er nie mitmachen darf.
Das ist also der grobe Rahmen. Sollte ich etwas dazu schreiben, das es mir später erleichtert, diese Szene auszugestalten, sähe es etwa so aus:
Taganuka ist 7 Jahre alt, schmächtig gebaut, hat die Haare zu zwei schwarzen Zöpfen geflochten. Er sitzt vor dem Zelt seiner Familie, das sich am Rande des Dorfplatzes befindet. Auf dem Platz spielen Telesofia, Grumpuckel und Salaisusu Ringelreihen. Sie singen natürlich keinen deutschen Text sondern einen ausgedachten, indianischen Singsang. Telesofia (8) ist ein Mädchen, das Taganuka schon lange verehrt. Grumpuckel und Salaisusu sind sechs und zehn Jahre alt. Taganuka sieht die Gruppe nur verschwommen. Die Brille wurde noch nicht erfunden, und ich muss hier mit sprachlichen Mitteln transportieren, dass er kurzsichtig ist und vermutlich daher oft vom Spiel ausgeschlossen wird. Für Taganuka ist es schließlich normal so schlecht zu sehen; er kann sich gar nicht vorstellen, dass es anders sein kann. Die Büffelknochen haben eine eigene Geschichte [Exkurs zur Büffeljagd des Vaters]. Er kann sie der Größe nach sortieren, oder versuchen damit Musik zu machen, oder Zeichungen in die Erde zu ritzen, etc.
Mit diesen Informationen fällt es später leichter, die Szene so zu schreiben, wie man sie gerne im Buch lesen würde. Außerdem kommt man beim “Szenenbrainstorming” oft auf Aspekte, die später im Buch noch interessant werden können.
So entsteht ein lebendiges Manuskript, und der Autor muss weniger Angst vor der Textmenge haben, die bis zur Deadline noch zu bewältigen ist.
Wie geht ihr mit großen Textmengen um? Plottet ihr vorher alles komplett durch und hangelt euch dann am Gerüst entlang, oder schreibt ihr von vorne bis hinten das Mauskript, so das sich eine Szene aus der anderen ergibt? Oder habt ihr eine völlig andere Methode?
Ich bin auf eure Kommentare gespannt!
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