29 Seiten

Sonntag, 15. August 2004

Seit vorhin habe ich zwei Seiten geschrieben, bis meine Familie wieder auftauchte. Und siehe da: Meine beiden Protagonisten haben sich unterhalten und daraus ergab sich eine völlig andere Art, Informationen an den zukünftigen Leser zu übermitteln.
Das ist das Schöne am Schreiben: Man ist selbst eigentlich nur das Werkzeug. Die Figuren haben einen eigenen Kopf; machmal sogar einen Dickkopf *g*

Logbuch 1.1 im Raumschiff writingwoman, Sternzeit 15.August 2004

Sonntag, 15. August 2004

Liebe Leser,
wie arbeitet ein Schriftsteller? Das ist für viele Menschen ein großes Mysterium.
Besonders verbreitet ist die Vorstellung, dass man den Stift oder den Rechner bearbeitet, wenn einen gerade die Muse küsst.
Aber die Viecher sind selten geworden in unserer hektischen Zeit. Ein Musenkuss käme einem Sechser im Lotto gleich - schlecht für jemanden der nicht mal spielt, so wie ich. Manch ein Autor hilft mit Musen anlockenden Substanzen nach - Alkohol oder anderes Zeug - aber davon wird es mancher Muse schlecht. Diese Methode ist folglich nicht zu empfehlen.
Würden Autoren also auf diese engelsgleichen Wesen warten, wären alle Verlage bereits pleite und die Leser ohne Futter. Folglich funktioniert Schreiben nur mit einem gewissen Maß an Disziplin - mal mehr mal weniger - aber es sollte schon das Ziel eines jeden Schriftstellers sein, täglich wenigstens ein paar Zeilen an seinem Werk zu schreiben. Auch mit Babyschrittchen kommt man schließlich voran.
In diesem Weblog möchte ich ein wenig verraten, wie meine Arbeit voran geht, was ich für Tricks anwende, um meine Muse zu verfolgen.
Aktuell bereite ich neben dem Schreiben die Buchpräsentation zu meiner Anthologie ORIENTOLOGY vor, die ich mit sechs anderen AutorInnen realisiert habe. Am 28. August ist es so weit, und es gibt noch einiges zu organisieren. Hat jemand mal ein Mikro für mich, das ich an die Anlage der Location anschließen kann?
Am liebsten schreibe ich was ich will, aber Freitag der 13. hat mir eine schöne Auftragsarbeit beschert, die ich nebenher beackern muss. Neben meinem derzeit in Arbeit befindlichen Jugendbuch und natürlich neben meiner Familie.
Logisch, dass ich über den Inhalt des Buches nix verrate, aber einen Einblick kann ich trotzdem geben:
Ursprünglich war da eine diffuse Idee. Die beiden Protagonisten waren bald gefunden, und ich begann gegen Ende des Frühlings einfach drauflos zu schreiben. Dabei lernte ich zumindest die eine Protagonistin schon sehr gut kennen. Nach und nach entwickelte sich die Story weiter. Ich legte verschiedene Seiten in meiner Zauberkladde an, auf denen ich Eigenschaften der beteiligten Personen sammelte. Wenn ich irgendwann feststellte, dass es nicht passt, habe ich die Parameter verändert. Irgendwann ging es jedoch nicht mehr so recht weiter. Durch den Urlaub hatte ich mich von meinen Figuren entfremdet. Ging das "einfach drauflos Schreiben" anfangs noch wie Magie, so wollte es nicht mehr recht in Gang kommen. Also habe ich zähneknirschend einen groben Plot entworfen. Das Ende steht noch nicht fest, aber das ist auch noch nicht wichtig. Ich habe in knallrot in mein Dokument getippt, was in etwa passieren soll; möglichst in der richtigen Reihenfolge. Das fülle ich jetzt mit Inhalt. Nun habe ich endlich etwas, woran ich mich entlanghangeln kann, und darauf springt dann auch die Muse wieder an. Ich bin jetzt total wild aufs Schreiben und freue mich über jede freie Minute, in der ich meine Figuren wieder ein wenig mehr zum Leben erwecken kann. Den Haupt-Handlungsstrang habe ich fast fertig geplottet, dann kommen die Nebenstränge dran, grad wie es passt. Danach wird alles verflochten.
So, und nun wende ich mich wieder meinen Figuren zu. Aber ich melde mich bald wieder - Ehrensache!


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Buchveröffentlichungen der Berliner Autorin Petra A. Bauer

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