Warum Co-Autorinnen beflügeln

Texttreff Blogwichteln 2015Auch in diesem Jahr wird im Texttreff wieder geblogwichtelt. Das bedeutet, dass wir Textinen uns gegenseitig Blogbeiträge schenken. Mein erstes Geschenk kam drüben bei Mama im Job an (Heike Baller: Schulalltag und Recherchekompetenz). Und für das Autorenblog hat Textine Sandra Schindler zum Thema Co-Autorenschaft gewichtelt. Dass es sich zu zweit besser schreibt, habe ich vor über 10 Jahren beim Verfassen von "Mama im Job" gemeinsam mit Karina Matejcek schon bemerkt. Allerdings ist das gemeinsame Schreiben eines Ratgebers nochmal anders, als wenn man Fiction schreibt. Jetzt lasse ich Sandra dazu selbst zu Wort kommen und drücke ganz fest die Daumen für das gemeinsam gestemmte Projekt:

Samstag, 19. Dezember 2015

Co-Autorinnen. Foto: © contrastwerkstatt - fotolia.de

Co-Autorinnen. Foto: © contrastwerkstatt - fotolia.de

Warum Co-Autorinnen beflügeln

Schon als Kind tippte ich fleißig Geschichten im Enid-Blyton-Stil in meine Schreibmaschine. Leider kam mich nie besonders weit. Auf die Frage, warum ich Lektorin geworden bin, habe ich immer gerne geantwortet: „Weil ich gute Bücher liebe, aber zu faul bin, eigene zu schreiben!“

Doch in diesem Sommer hat sich irgendetwas verändert: Zwar würde ich immer noch behaupten, dass ich nie einen Roman schreiben könnte, aber: Kinderbücher zu schreiben, das bekomme ich hin.

Erstaunlicherweise habe ich festgestellt, dass es mir mindestens genauso viel Spaß macht, kleine Helden zu schaffen und ihre Geschichten zu erzählen oder gar zu reimen, wie an den Texten meiner Autoren herumzufeilen. (Denen ich übrigens solche Schachtelsätze nie durchgehen lassen würde, aber das ist eine andere Geschichte …) Nur: Die Verlagssuche gestaltet sich auch für Lektorinnen nicht unbedingt leichter. Besonders dann, wenn man sich vorgenommen hat, nicht im Kinderliteratur-Einheitsbrei mitzuschwimmen. (Aber das ist ebenfalls eine andere Geschichte …)

Was aber, wenn man die Ausschreibung für einen Kurzgeschichtenwettbewerb liest und dabei feststellt, dass die Thematik zu einem passt wie der gläserne Schuh zu Aschenputtel? Ich wusste, ich wollte da mitmachen! Dass der Wettbewerb auf Englisch war, sah ich nicht als Hinderungsgrund, schließlich bin ich ja von Haus aus Diplom-Übersetzerin (für Englisch, Italienisch und Spanisch) – und hatte schnell einen hilfsbereiten britischen Kollegen gefunden, der sich bereiterklärte, das Endprodukt zu korrigieren. (Ein herzlicher Dank geht an dieser Stelle deshalb an David Jones von Daybridge International.)

Motivator gesucht

Doch da hatte ich schon das nächste Problem: Ich wusste ja, wie es um meine Geschichtenschreib-Energie bestellt war. Also stand fest: Eine Co-Autorin muss her. Eine, die das Thema ebenso berührt wie mich. Es dauerte nicht lange, bis ich die Zusage der Journalistin Petra Plaum hatte. Damit stieg für mich die Wahrscheinlichkeit erheblich, bis zum Ende der Abgabefrist tatsächlich eine fertige Geschichte ins Rennen schicken zu können.

Auf die Richtung, in die unsere Geschichte gehen sollte, hatten wir uns schnell geeinigt, denn uns schwebte da eine ganz ähnliche Utopie vor. Wir teilten die vorgegebene Wortzahl durch sechs und wollten im Wechsel jede drei gleich lange Textteile schreiben.

Ich fing an, schrieb von einer fernen Zukunft, in der zwei Menschen aus unterschiedlichen Generationen zusammensitzen und sich über die Vergangenheit unterhalten – unsere verrückte Gegenwart eben. Ich hatte meine Vorstellung davon, wie die Geschichte weitergehen sollte, aber das, was Petra mir in ihrer Fortsetzung präsentierte, übertraf meine gewagtesten Zukunftsvorstellungen. Der Übergang von ihrem Beitrag zu meinem ist nicht nur überraschend, sondern auch unglaublich witzig. Und ich beglückwünschte mich selbst, weil ich tatsächlich eine Deutsche gefunden hatte, die – vermutlich durch ihren Studienaufenthalt in den USA – so gut Englisch schrieb wie niemand sonst in meinem Freundeskreis (englische Muttersprachler logischerweise ausgenommen …).

Ganz wichtig: Harmonie

Schnell wussten wir beide, dass wir beim Texten wirklich harmonierten. Die Lektorin in mir ließ sich nicht ganz verscheuchen, aber Petra nahm meine Verbesserungsvorschläge für unser Gemeinschaftswerk dankbar an. Und ich wusste, dass ich manche Stellen nur andeuten musste, Petra sogar teilweise Lückentexte schicken konnte – die Journalistin würde mit ihrem Wissen die Lücken füllen.

Am spannendsten Punkt unserer Geschichte überraschte mich meine Co-Autorin erneut. Ich hätte nicht gewusst, wie wir all die Steine hätten beseitigen sollen, die wir den Protagonisten in den Weg gelegt hatten, nicht einmal in einem Science-Fiction-Text. Aber Petra bediente sich ganz geschickt eines etliche Jahrtausende alten Motivs, um unserer armen Protagonistin zu helfen. Aber sie veränderte das Motiv so gekonnt, dass niemand sagen kann, die Idee sei abgekupfert.

Zwei Tage vor Einsendeschluss erfuhr ich, dass es genau diesen Wettbewerb auch in deutscher Sprache gegeben hätte, aber unsere Geschichte stand und wir entschieden uns, bei unserer englischen Version zu bleiben.

Unsere deutschen Testleser nickten den Text ab, David Jones gab ihm den letzten Schliff und in allerletzter Minute versandte ich unser Werk.

Ich weiß nicht, ob ich ohne Petra tatsächlich einen Text eingereicht hätte. Aber ich weiß: Wenn ich es getan hätte, wäre der Text niemals so gut und so originell geworden wie der, mit dem sich die Jury in diesem Moment vielleicht gerade beschäftigt.

Es bleibt ein gutes Gefühl

Egal, ob wir gewinnen oder nicht: Diese Erfahrung hat mir wieder einmal gezeigt, dass man ein Gemeinschaftsgefühl auch dann sehr intensiv spüren kann, wenn man allein im (zumindest zu Kindergartenzeiten) stillen Lektorinnenkämmerlein sitzt. Das Schreiben hat uns beflügelt, wir haben uns gegenseitig befruchtet und ich habe den Aufwand, selbst wenn er umsonst gewesen sein mag, keine Sekunde bereut.

Vermutlich werde ich mich neben dem Lektorat weiterhin dem Schreiben von Kinderbüchern widmen, sobald meine ersten Bücher auf dem Markt sind. Aber wenn ich mal wieder bei einer anderen Schreibaufgabe nicht weiterweiß, dann werde ich mir jemanden suchen, der mir zumindest
virtuell ordentlich in den Hintern tritt. Ich wüsste da auch schon, wen …

Sandra Schindler ist freiberufliche Lektorin. Sie bearbeitet besonders gerne Romane aller Art (Science Fiction trotz der erwähnten Kurzgeschichte ausgenommen) sowie Sachbücher. In ihrer Freizeit beschäftigt sie sich immer noch sehr viel mit Büchern oder Autorinnen, macht Musik (Gesang, Klavier, Gitarre) oder kümmert sich um ihre Familie (einschließlich zweier Kleinkinder plus Hund). Sandra bloggt in unregelmäßigen Abständen über Sprache, Ökologie und Ernährung.

Die Sammlung weiterer Blogwichtel-Beiträge findet ihr im Texttreff-Blog.

 

Gastbeitrag: Liebeserklärung an den Tatort

Grafik Wie schon 2011, stand auch am Jahresende 2012 wieder das Textinen-Blogwichteln an. Diesmal haben wir es jedoch wegen akuten Weihnachtsstresses mit der Deadline nicht so eng gesehen und so freue ich mich mich, heute Textine Jutta Scherer im Autorenblog begrüßen zu dürfen. Sie hat ein Thema gewählt, das bestens zu mir als Krimiautorin passt:

Montag, 07. Januar 2013

Tatort und kein Ende. Und das ist gut so!

Eine Liebeserklärung. Von Jutta Scherer

Mit dem Tatort haben wir das Alte Jahr verabschiedet, mit ihm haben wir das Neue begrüßt, gleich gestern folgte die nächste Episode. Ich war jedes Mal dabei, auch wenn mir am Neujahrstag das Wachbleiben schwer fiel… Den Tatort verpasst man eben nicht. Sonntags ist er Pflichttermin – für mich und Millionen andere.

Warum ist das so? Darüber haben sich schon viele kluge Menschen Gedanken gemacht – meist aber aus neutraler Distanz. Die habe ich nicht: Ich melde mich hier als glühende Anhängerin zu Wort. Was also macht den Tatort für mich einzigartig?

Erstens: die Erzählqualität. Wohl kaum eine andere Serie glänzt immer wieder mit so herausragenden Drehbüchern, meisterhaft umgesetzt von Top-Regisseuren und Darstellern. Regelmäßig werden gesellschaftliche Themen aufgegriffen, die unter den Nägeln brennen. (Oder brennen sollten.) Blutrausch, perverse Frauenquäler und Massenmörder – beliebte Sujets in US- und skandinavischen Krimis – bleiben beim Tatort die Ausnahme: Hier werden keine Grausamkeiten zelebriert, sondern Geschichten über Menschen erzählt. Im Vordergrund steht die Psychologie von Täter und Ermittlern, ihr soziales Umfeld. Die kleinen Tragödien des Alltags, die Emotionen, die ganz normale Menschen den Kopf verlieren lassen, die Intrigen und Eifersüchteleien hinter Deutschlands Jalousien. Kurz: Der Tatort hat etwas zu sagen. Er bietet intelligente Unterhaltung.

Zweitens: der einzigartige Mix aus Vielfalt und Kontinuität. Woche für Woche kann ich mich auf wechselnde Teams und Orte freuen – und mich dabei doch auf ein bewährtes Gesamtkonzept verlassen. Ich kenne die Grundzutaten, und dennoch wird nichts eintönig. Zumal mit den Drehorten und Darstellern auch Autoren, Regisseure und Kameraleute wechseln. Damit liefert der Tatort auch ein, wie ich finde, hervorragendes Beispiel für eine starke Marke: Wer wäre wohl nicht in der Lage, spontan ein paar unveränderliche Merkmale der Serie aufzuzählen? Und das, obwohl jedes Produktionsteam seiner Folge einen ganz eigenen Stempel aufdrückt.

Drittens: Tatort ist wie Familie. Diesen Sonntag die Hamburger? Prima, mag ich. Von Leipzig dagegen bin ich öfter mal genervt, aber zuweilen überraschen sie mich… Ja: So, wie ich in der Verwandtschaft den einen lieber trifft als die andere, so sind mir die Ermittlerteams unterschiedlich sympathisch. Und das Gute daran: Keines davon kann mir wöchentlich auf den Geist gehen. Es bleibt beim gesunden, nie ganz vorhersehbaren mehrmonatigen Rhythmus, der die Wiedersehensfreude umso mehr verstärkt. Lange waren die skurrilen Münsteraner meine Lieblinge. Wären sie aber wöchentlich über den Schirm geflackert, hätte mich das ziemlich angestrengt. Erst recht seit der Posse vom letzten Dezember. (Börne und Thiel: Ich hab euch lieb, aber ich brauch jetzt erst mal ne Pause von euch…) Andererseits – auch das ist Tatort: Wir verzeihen ihnen. Solange sie sich in der nächsten Folge wieder fangen.

Viertens: Tatort atmet regionalen Geist. Okay, okay – ich weiß, das tut er nicht immer ganz authentisch. Mein Onkel kann sich zum Beispiel sehr darüber ereifern, dass im Ludwigshafener Team nur eine Einziger – der Kriminaltechniker – wirklich Vorderpfälzisch spricht. Von den Ermittlern tut das keiner (Kopper klingt sogar nach Berlin); die Sekretärin babbelt Hessisch. Ähnliches gilt auch für andere Teams. Aber egal. Fakt bleibt: Der Tatort beleuchtet regionale Eigenheiten. Dass er von von unterschiedlichen Sendeanstalten produziert wird, hat man gekonnt zum besonderen Merkmal ausgebaut. Auch das hebt die Serie gegenüber anderen ab: Sie spiegelt die regionale Vielfalt im deutschsprachigen Raum – oft mit einem Augenzwinkern.

Die drei Tatorte zum Jahreswechsel lieferten für alles Gesagte wunderbare Beispiele: drei sehr unterschiedliche Erzählweisen, aber alle drei erste Sahne. Ich hoffe, von der Sorte bekommen wir noch viel, viel mehr zu sehen! Und freue mich schon auf Ulmen, Tschirner, Schweiger und alle anderen, die wir sonntagsabends bei ihren Ermittlungen begleiten dürfen.

***

GrafikJutta Scherer schreibt, redigiert und übersetzt für Firmenkunden verschiedener Branchen. Klarer Schwerpunkt sind Texte für interne und externe Unternehmenskommunikation – vom Geschäftsbericht bis zur Website. (Texte über Freizeitthemen schreibt sie nur gelegentlich und nur zum Vergnügen oder für liebe Kolleginnen. :-)) Mit ihrem Redaktionsbüro JS textworks ist Jutta seit 11 Jahren selbständig. Zuvor war sie lange als Communication Specialist bei einer großen Managementberatung beschäftigt. Jutta lebt und arbeitet in München.

Hoch lebe die Mittagspause! [Gastbeitrag]

Grafik Kürzlich habe ich hier im Blog vom Großen Textinen Blogwichteln berichtet. Es ist so weit - ich freue mich, heute als Gast im Autorenblog meine liebe Autorenkollegin Andrea Behnke begrüßen zu dürfen:

Samstag, 03. Dezember 2011

Danke, liebe Petra, dass ich hier dein Gast sein darf!

Hoch lebe die Mittagspause!

Einen Schluck Milchkaffee – und dann traue ich mich, mich zu outen. Denn ich trinke diesen Kaffee nicht, wie es sich für eine Freiberuflerin gehört, hektisch vorm Bildschirm, sondern unterwegs in meiner Mittagspause. Ja genau: Ich arbeite frei – und mache glatt eine Mittagspause. Jeden Tag. Und noch schlimmer: Ich liebe sie!

Mittags verlasse ich mein Büro und gehe „eine Runde um den Block“. Zügigen Schrittes. Genieße Sonne oder Regen, einerlei, Hauptsache, ich kann Luft schnappen. Dann esse ich eine Kleinigkeit. Besonders gerne in der Bochumer Butterbrotbar. Das ist ein ganz kleines Café, in dem es – anders als der Name vermuten lässt – nicht nur Stullen, sondern täglich ein frischgekochtes, warmes Gericht gibt. Immer gesund und lecker und schnell auf dem langen Tisch, um den herum viele Kreative aus dem Viertel sitzen.

Diese Pause ist mein Luxus. Ein Luxus, mit dem ich mich sogar besteche: „Andrea, wenn du das und das geschafft hast, darfst du rausgehen“. Diese Vorfreude ist ein Ansporn. Wenn es soweit ist, stelle ich selbstbewusst meine elektronische Sekretärin an. Spätestens in einer halben Stunde werde ich zurückrufen. Mit freiem Kopf, der mir einmal durchgepustet wurde. Dann telefoniert es sich auch wieder leichter.

Früher habe ich gezögert, Kunden zu sagen, dass ich in der Mittagspause war. Das ist inzwischen anders – und zwar nicht nur, weil in diesem Jahr etliche Studien auf den Markt gekommen sind, die meiner Pause sogar noch eine wissenschaftliche Daseinsberechtigung geben.

Oft kommen mir in meinem Päuschen sogar die besten Ideen – fernab vom Schreibtisch. Umschalten, abschalten, um dann wieder auf vollen Touren laufen zu können. Natürlich lag auch die Idee zu diesem Blog-Beitrag plötzlich mittags auf meinem Löffel, als ich mir „Oma Mollis Nudelauflauf“ schmecken ließ.

In diesem Sinne: Guten Appetit!


Grafik Andrea Behnke arbeitet als freie Journalistin und Autorin für Kinder-, Jugend- und Bildungsmedien in Bochum. Und sie bloggt: www.andreabehnke.de/kladde
Ihr Motto ist „Spaß am Wort“.

 

 

Buchveröffentlichungen der Berliner Autorin Petra A. Bauer

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