Heute! Meine Gutenachtgeschichte im Radio

Wenn ihr kleine Kinder habt, kennt ihr sicher die Sendung Ohrenbär. Die Sendung wurde vor langer Zeit erfunden, als der RBB noch SFB hieß. Jeden Abend gibt es dort eine Gutenachtgeschichte zu hören und schon meine eigenen Kinder haben dort gerne zugehört. Von heute an bis zum Sonntag liest Muriel Baumeister in dieser Sendereihe meine Geschichte vor.

Freitag, 18. März 2016

Vom Baumhaus ohne Baum - Ohrenbär-Gutenachtgeschichte von Petra A. Bauer

Vom Baumhaus ohne Baum läuft vom 18. bis 20. März zu folgenden Zeiten:

  • auf Radio Berlin 88,8 oder im Livestream:  19:05 - 19:15 Uhr
  • auf WDR KiRaKa oder im Livestream: 18:45 - 18:55 Uhr
  • auf NDR Info oder im Livestream: 19:50 bis 20:00 Uhr

Viel Vergnügen und liebe Grüße!

Petra

Klare Entscheidungen treffen!

Wie schreibe ich ein Buch? In meinem Themenspecial Wie schreibe ich ein Buch?, geht es heute um einen Aspekt des Plottens. Es klingt wie eine Binsenweisheit, aber wenn ihr euch die Handlung ausdenkt, müsst ihr irgendwann Nägel mit Köpfen machen, wohin die Story denn nun gehen soll.

Dienstag, 23. Februar 2016

Manchmal trifft mich die Erkenntnis, weshalb etwas nicht funktioniert hat, plötzlich und unerwartet, wie ein Schlag mit der Keule. Da ich euch diese Beulen gerne ersparen möchte, lasse ich euch an meinen Fehlern teilhaben, auf dass ihr daraus lernen könnt.

Die Autorin Petra A. Bauer mit Bad Hair Day bei der Arbeit: Entscheidungen treffen!

Die Autorin Petra A. Bauer mit Bad Hair Day bei der Arbeit: Entscheidungen treffen! Foto: Julia Bauer

Meine neueste Erkenntnis betrifft die Sache mit den Entscheidungen. Mein letztes Exposé kam einfach nicht zustande, weil ich offenbar selber nicht so genau wusste, wo die Story hin sollte. Während des Schreibens am Manuskript besteht meine Arbeitsweise aus einer Mischung aus Plotten und Schreiben. Ich entwerfe einen Teil der Handlung und schreibe so am Rohmanuskript, dass der Plot quasi ein Stückchen vorneweg flattert.

Rohmanuskript bedeutet bei mir, dass auch alle Anmerkungen mit einfließen, die ich während des Schreibens habe. Und im erwähnten Fall kamen verdammt oft Sätze vor, wie “Vielleicht könnte XY mit AB durch den Park gehen und sie werden dort überfallen?” Oder: “XY könnte zu AB gehen und dort von 123 erfahren. Oder soll es ihr doch lieber MN sagen? Bei welcher Gelegenheit?”

Damals habe ich mir eingeredet, dass ich nur Ideen aufschrieb, wie es weitergehen könnte. Aber mit den vielen Vielleichts und könnte, hätte, würde bin ich letztlich nicht vorangekommen. Weil ich mich nicht getraut habe, mich für einen Weg zu entscheiden. Zum Teil, weil ich dachte, dass etwas vielleicht nicht funktionieren könnte und ich mir Möglichkeiten offen lassen wollte. Denn eine Entscheidung für etwas bedeutet auch gleichzeitig eine Entscheidung gegen alles andere. Story of my life ...

Wichtig: die innere Logik

Falls ihr keinen historischen Roman schreibt, wo ihr euch an klare Fakten halten solltet, schafft ihr die Fakten selbst (und selbst beim historischen Roman müsst ihr ja auswählen WELCHE Fakten ihr verwenden möchtet). Wir Autoren sind die Schöpfer unserer Geschichten. Wir entscheiden, was passiert und wie die Umstände sind. Im Prinzip ist es völlig egal, für welche Variante wir uns entscheiden, so lange die Geschichte am Ende plausibel ist.

Die Story muss in sich stimmig sein. Die Entscheidungen, die wir treffen, legen den Grundstein für das, was weiterhin passiert. Und wenn zu viele Vielleichts darin vorkommen, wie sollen wir dann wissen wie sich die Handlung denn nun wirklich weiter entwickelt?

Was nicht passt, wird passend gemacht

Das bedeutet natürlich nicht, dass wir etwas, was wir einmal festgelegt haben, später nicht mehr rückgängig machen können. Wenn sich im Laufe der Zeit heraussstellt, dass etwas der Logik der Geschichte abträglich ist, könnt ihr es natürlich anpasssen. Wichtig ist nur, dasss ich euch zunächst für eine Variante entscheidet. Dann könnt ihr nämlich auch einfach den Rest passend machen. Weltenbauer können vermutlich ein Lied davon singen, denn dabei kommt es noch mehr auf die innere Logik an, v.a. wenn auch noch physikalische Phänomene auftauchen, die in unserer Welt so nicht vorkommen.

Bei den meisten von uns wird es allerdings nicht so kompliziert werden. Ein einfaches Beispiel: Einer meiner Protagonisten soll ein Japaner sein. Dieser hat nun eine Eigenschaft, die in Japan eigentlich nicht üblich ist. Schon habe ich mich durch meinen nervigen Zweifler aus dem Konzept bringen lasssen und überlegt, ob er nicht auch Chinese sein könnnte, was dazu besser passen würde. Dann wurde mir klar, dass ich das nicht wollte. Ich hatte mich für Japan entschieden und hatte Gründe dafür. Also muss ich in der Geschichte einen plausiblen Grund (er-)finden, weshalb dieser Japaner eine Eigenschaft besitzt, die man normalerweise in China erwarten würde. Und dadurch wird die Story doch auch gleich wieder facettenreicher.

Die eigenen Zweifel nicht auf die Leser übertragen

Wenn schon das Plotten ohne richtige Entscheidungen schwierig ist, solltet ihr diesen Fehler im Manuskript nicht auch noch machen. Ich habe doch tatsächlich neulich den blöden Satz geschrieben: “Sie überlegte, ob ihm dieses Unternehmen gehörte oder ob er nur ein professioneller Visitenkartenverteiler war, falls es sowas überhaupt gab.”

Falls es sowas überhaupt gab! Wenn es meine Geschichte ist, dann gibt es sowas! Wenn es Phantastik ist, gibt es das sowieso. Und wenn es keine Phantastik ist, dann wird es trotzdem selbstverständlich, wenn wir als Autoren selbstverständlich damit umgehen.

Mir ist dieser Teilsatz schon beim Schreiben aufgestoßen. Ich wusste, es gibt diese Leute, die für ein paarMarkfuffzich diese “Wir kaufen dein Auto”-Kärtchen in die Seitenscheiben von Autos stecken. Aber eigentlich läuft sonst ja niemand herum und verteilt Visitenkarten an Leute. Das wären dann eher Flyer. Aber es ist egal. In der Zeit, in der Welt, an dem Ort wo meine Story spielt, GIBT es offenbar professionelle Visitenkartenverteiler. Darauf musss ich auch nicht näher eingehen. Aber ich darf auch nicht meine eigenen Zweifel an die Leser weitergeben. Das ist unprofessionell und schmälert das Lesevergnügen. Wer möchte schon eine Geschichte lesen, in der der Autor selber nicht weiß, was er will?

Also noch einmal: Entscheidet euch für eine Möglichkeit und arbeitet damit. Zusätzliche Erkenntnisse könnt ihr später noch einbauen und die Variante ggf. anpassen. Aber der Weg sollte keiner mit mehreren Abzweigungen sein, weil ihr euch sonst gleich am Anfang verlauft.

Liebe Grüße

Petra

Alle Beiträge zum Themenspecial Wie schreibe ich ein Buch? findet ihr hier.

Grundsätzliches:

Figuren

Handlung entwerfen (Plotten)

The Magic is back

Wie gestern bereits angekündigt habe ich mich heute u.a. damit beschäftigt, welche Elemente ich von Projekt 1 behalten möchte. Und während ich so überlegte, abwägte, strich und neu überlegte, spürte ich den alten Zauber wieder, der mich immer beim Plotten und Schreiben begleitete. Wie habe ich dieses Gefühl vermisst!

Dienstag, 16. Februar 2016

The Magic is back

Ich bin gut vorangekommen und habe eine Protagonistin mitsamt ihrer eigenen Story gekillt, bzw. eingefroren, denn sie hat ein eigenes Buch verdient.

Die zweite Protagonistin habe ich ein bisschen degradiert, denn es geht zwar um sie, aber sie ist nicht die Haupt-Handelnde. Dafür habe ich eine neue Figur eingeführt, die nicht zu viel eigenes Gepäck mit sich herumschleppt, jedenfalls nicht in Konkurrenz zu der anderen.

Dafür konnte ich eine Lieblingsfigur erhalten und mit mehr Witz ausstatten. Und mit dem “Warum” bin ich auch deutlich weitergekommen.

Und währenddessen konnte ich zuschauen, wie unser Enkelmädchen (7 Monate) sich zum ersten Mal an unserem Sofa hochzog. Perfekte Kombination!

Als der Flow ein bisschen nachließ, weil die heutigen Punkte weitgehend abgehakt waren, wandte ich mich dem nächsten Punkt auf meiner To-Do-Liste zu, der Vorbereitung eines Vortrags.

Unterm Strich war ich produktiver als in den gesamten letzten Monaten und natürlich frage ich mich, wieso das alles nicht schon längst passiert ist. Aber ich bin fest davon überzeugt, dass meine Pause einen Sinn hatte. Mitunter brauchen Dinge eben ihre Zeit. Ich erfreue mich jetzt einfach an dem wunderbaren Gefühl.

Update vom 20.2.2016: Ich konnte nicht widerstehen und habe die ersten Seiten der Rohfassung geschrieben. Jetzt bin ich total neugierig, wie es weitergeht ;-)

Liebe Grüße

Petra

Deadline 20.03.2016

Im letzten Blogbeitrag beklagte ich das Fehlen einer Deadline. Nach meinem heutigen New Media Mastermind Group Call habe ich das Problem endlich gelöst. Und da dieses Autorenblog seit über 13 Jahren u.a. dazu dient, euch zur Ermutigung meine Arbeitsweise trannsparent zu machen, erkläre ich mal, was passiert ist:

Montag, 15. Februar 2016

Festlegung der Deadline im Bulletjournal

Die Macht von Mastermind Gruppen

Im letzten September war ich in Manchester auf der New Media Europe Konferenz. Hier gibt es dazu einige akustische Eindrücke.

Ich habe viel für mich mitgenommen, u.a. ging eine Mastermind Gruppe daraus hervor, bestehend aus der Porträtzeichnerin Anna (eine in Deutschland lebende Schwedin) und der derzeit in Italien lebenden isländischen Tierärztin Sif und mir. Alle zwei Wochen sprechen wir per Google Hangout über unsere medialen Projekte und die damit verbundenen Probleme. Ganz ähnlich mache ich das seit Ende 2013 einmal wöchentlich mit Ines von kandil.de

Das Bulletjournal

Die Lösung ereilte mich aber heute nach dem Hangout mit Sif und Anna. Und zwar weil Sif über ihre analoge Planung im Bulletjournal-Stil berichtete und Beispielfotos schickte. Danach war ich erst einmal damit beschäftigt, diverse Videos zum Bulletjournaling anzuschauen ;-)

Ich habe kürzlich zwar selbst eine Druckvorlage für die Erledigung täglicher Aufgaben zum kostenlosen Download zur Verfügung gestellt, aber die Bulletjournal-Methode hat mich fasziniert und ich habe mein eigenes BJ angelegt.

In den Kalender trug ich u.a. meine Hausaufgabe für den nächsten Mastermind-Hangout ein:

  • Die Entscheidung treffen, welches Buchprojekt ich als nächstes realisieren werde.

Buchprojekte mit Potenzial

... lautet der Titel einer weiteren Journal-Seite. Wie ihr euch sicher denken könnt, geht es dabei um die Projekte, die ich bereits zu großen Teilen konzipiert habe. Kinderbücher habe ich direkt mal gar nicht hingeschrieben, weil mir zur Zeit eher nach Büchern für Erwachsene ist.

Am Schluss standen vier meiner Arbeitstitel da. Zwei der Projekte (Serien) sind möglicherweise eher fürs Selfpublishing geeignet, zwei für traditionelle Verlage. Eines der designierten Verlagsbücher flasht mich gerade nicht so, also blieb zunächst ein Projekt übrig - nennen wir es mal Projekt 1.

Dann fielen mir in meinem Filofax Seiten auf, auf denen ich schon einmal das Für und Wider einzelner Projekte abgewägt hatte. Seither haben sich aber einige Parameter geändert und ein Verkaufsargument für Projekt 1 ist am Wochenende noch dazugekommen.

Und damit war alles plötzlich ganz einfach: Ich habe mir bis 20. März Zeit gegeben, um für Projekt 1 ein “rundes” Exposé zu erstellen, da sich an der bisher vorhandenen Story noch vieles ändern wird (u.a. etliche gekillte Darlings). Das fertige Exposé werde ich einer Agentur schicken, und während ich auf die Antwort warte, konzipiere (und schreibe) ich an einer der SP-Serien weiter. Ich nenne es hier - Überrraschung! *g* - Projekt 2.

Nachdem ich die Deadline jetzt also offiziell mitgeteilt habe, bin ich auch wieder in der Lage, mir kleinteilige tägliche Aufgaben zu stellen, die mich letztlich zum Ziel bringen.

Filterlos

Falls sich einer von euch fragt, wieso ich das nicht schon längst so gemacht habe - mein Filtersystem ist kaputt. Entscheidungen zu fällen ist für mich sowieso schon komplizierter als für andere. Wenn ich aber auch noch unbegrenzt viele Möglichkeiten habe, was ich anfangen kann, dann blockiert sich irgendwann alles gegenseitig. Das habe ich auch mal hier beschrieben:
Barbara Sher hat mich aus dem Konzept gebracht
Sobald aber eine klare Aufgabe und ein Zeitrahmen feststeht, arbeite ich auch zielstrebig darauf hin.

Weshalb sich dieser Knoten gerade heute gelöst hat und nicht schon vor drei Jahren? Offenbar mussten mehrere bestimmte Ereignisse zusammenfallen. Und ich musste dafür bereit sein.

Und jetzt schreibe ich die diesbezügliche Aufgabe für morgen ins Bulletjournal:

  • Story / Konzept noch einmal lesen und die Teile sammeln, die ich weiterhin verwenden möchte.
  • Das “Warum?” hinterfragen und ggf. die Prämisse anpassen.

Liebe Grüße

Petra

Ich brauche eine Deadline

Dass ich mir seit langem Gedanken darüber mache, wie es weitergehen soll, ist für Stammleser meines Blogs nichts Neues. Ich arbeite auch an verschiedenen Projekten im Non-Fiction-Bereich, aber in letzter Zeit träume ich nachts öfter ziemlich deutlich vom Bücherschreiben. Und zwar Fiction.

Freitag, 12. Februar 2016

Bücherträume suchen mich heim.

Im ersten Traum besuchte mich ein bekannter Autor. Nach dem Aufwachen war ich noch lange damit beschäftigt zu überlegen, was mir das wohl sagen sollte.

Heute Nacht träumte ich davon, dass ich ein Kinderbuch schrieb. Bekam sogar einen kurzen Plot mitgeliefert. Crazy.

Langsam finde ich das verdächtig. Will mir mein Unterbewusstsein damit irgendwas sagen? Dass ich die Non-Fiction-Sachen sein lassen soll? Dass ich meine alten Fiction-Projekte wiederbeleben soll? Dass ich ein paar neue Ideen ausbrüten, Exposés schreiben und anbieten soll?

Zu viele Möglichkeiten

Das Schreiben ist nicht so sehr das Problem. Dass ich Manuskripte zu Ende schreiben kann, habe ich 15mal bewiesen. Aber in einer Welt, in der alles möglich ist, fällt es mir verdammmt schwer, mich für EINE Möglichkeit zu entscheiden. Dennn es bedeutet gleichzeitig den Verzicht auf (fast) alles andere.

Ich habe viele schöne Buchprojekte auf Halde, in die ich viel Arbeit hineingesteckt habe. Letztlich konnte ich mich nicht entscheiden, welches davon die Ehre haben würde, tatsächlich von mir realisiert zu werden. Außerdem tauchte irgendwann die Frage auf, ob ich weiterhin in traditionellen Verlagen veröffentlichen möchte oder (zumindest für eine spezielle Reihe) den Selfpublishing-Weg gehen möchte. Das macht den Entscheidungsprozess auch nicht einfacher.

Just do it!

Fragt sich, was mich eigentlich davon abhält, einfach eine Entscheidung zu treffen (ich würde sogar inzwischen einen Münzwurf akzeptieren *g*) und das Ding durchzuziehen. Und während ich das hier schreibe, klingt es wirklich absurd, dass ich nicht einfach loslege.

Meine Buchverträge habe ich immer problemlos erfüllt. Aber dafür hatte ich auch immer eine Deadline. Und ich bin sicher, wenn ich die nicht gehabt hätte, hätte ich jedes Buch zu Tode optimiert. Weil ich mich ja während der Arbeit daran kontinuierlich weiterentwickelt habe. Keines der Bücher würde ich heute noch genau so schreiben, wie ich es geschrieben habe. Das würden die meisten Autoren nicht tun, das ist mir auch klar. Mir ist aber ebenso klar, dass ich offenbar jemanden brauche, der mir die Pistole auf die Brust setzt:

“Schreib, du Sau! Band 1 ist dannn pünktlich in zwei Monaten fertig!”

Mal schauen, ob ich das hinkriege :-)

Liebe Grüße

Petra

Warum Co-Autorinnen beflügeln

Texttreff Blogwichteln 2015Auch in diesem Jahr wird im Texttreff wieder geblogwichtelt. Das bedeutet, dass wir Textinen uns gegenseitig Blogbeiträge schenken. Mein erstes Geschenk kam drüben bei Mama im Job an (Heike Baller: Schulalltag und Recherchekompetenz). Und für das Autorenblog hat Textine Sandra Schindler zum Thema Co-Autorenschaft gewichtelt. Dass es sich zu zweit besser schreibt, habe ich vor über 10 Jahren beim Verfassen von "Mama im Job" gemeinsam mit Karina Matejcek schon bemerkt. Allerdings ist das gemeinsame Schreiben eines Ratgebers nochmal anders, als wenn man Fiction schreibt. Jetzt lasse ich Sandra dazu selbst zu Wort kommen und drücke ganz fest die Daumen für das gemeinsam gestemmte Projekt:

Samstag, 19. Dezember 2015

Co-Autorinnen. Foto: © contrastwerkstatt - fotolia.de

Co-Autorinnen. Foto: © contrastwerkstatt - fotolia.de

Warum Co-Autorinnen beflügeln

Schon als Kind tippte ich fleißig Geschichten im Enid-Blyton-Stil in meine Schreibmaschine. Leider kam mich nie besonders weit. Auf die Frage, warum ich Lektorin geworden bin, habe ich immer gerne geantwortet: „Weil ich gute Bücher liebe, aber zu faul bin, eigene zu schreiben!“

Doch in diesem Sommer hat sich irgendetwas verändert: Zwar würde ich immer noch behaupten, dass ich nie einen Roman schreiben könnte, aber: Kinderbücher zu schreiben, das bekomme ich hin.

Erstaunlicherweise habe ich festgestellt, dass es mir mindestens genauso viel Spaß macht, kleine Helden zu schaffen und ihre Geschichten zu erzählen oder gar zu reimen, wie an den Texten meiner Autoren herumzufeilen. (Denen ich übrigens solche Schachtelsätze nie durchgehen lassen würde, aber das ist eine andere Geschichte …) Nur: Die Verlagssuche gestaltet sich auch für Lektorinnen nicht unbedingt leichter. Besonders dann, wenn man sich vorgenommen hat, nicht im Kinderliteratur-Einheitsbrei mitzuschwimmen. (Aber das ist ebenfalls eine andere Geschichte …)

Was aber, wenn man die Ausschreibung für einen Kurzgeschichtenwettbewerb liest und dabei feststellt, dass die Thematik zu einem passt wie der gläserne Schuh zu Aschenputtel? Ich wusste, ich wollte da mitmachen! Dass der Wettbewerb auf Englisch war, sah ich nicht als Hinderungsgrund, schließlich bin ich ja von Haus aus Diplom-Übersetzerin (für Englisch, Italienisch und Spanisch) – und hatte schnell einen hilfsbereiten britischen Kollegen gefunden, der sich bereiterklärte, das Endprodukt zu korrigieren. (Ein herzlicher Dank geht an dieser Stelle deshalb an David Jones von Daybridge International.)

Motivator gesucht

Doch da hatte ich schon das nächste Problem: Ich wusste ja, wie es um meine Geschichtenschreib-Energie bestellt war. Also stand fest: Eine Co-Autorin muss her. Eine, die das Thema ebenso berührt wie mich. Es dauerte nicht lange, bis ich die Zusage der Journalistin Petra Plaum hatte. Damit stieg für mich die Wahrscheinlichkeit erheblich, bis zum Ende der Abgabefrist tatsächlich eine fertige Geschichte ins Rennen schicken zu können.

Auf die Richtung, in die unsere Geschichte gehen sollte, hatten wir uns schnell geeinigt, denn uns schwebte da eine ganz ähnliche Utopie vor. Wir teilten die vorgegebene Wortzahl durch sechs und wollten im Wechsel jede drei gleich lange Textteile schreiben.

Ich fing an, schrieb von einer fernen Zukunft, in der zwei Menschen aus unterschiedlichen Generationen zusammensitzen und sich über die Vergangenheit unterhalten – unsere verrückte Gegenwart eben. Ich hatte meine Vorstellung davon, wie die Geschichte weitergehen sollte, aber das, was Petra mir in ihrer Fortsetzung präsentierte, übertraf meine gewagtesten Zukunftsvorstellungen. Der Übergang von ihrem Beitrag zu meinem ist nicht nur überraschend, sondern auch unglaublich witzig. Und ich beglückwünschte mich selbst, weil ich tatsächlich eine Deutsche gefunden hatte, die – vermutlich durch ihren Studienaufenthalt in den USA – so gut Englisch schrieb wie niemand sonst in meinem Freundeskreis (englische Muttersprachler logischerweise ausgenommen …).

Ganz wichtig: Harmonie

Schnell wussten wir beide, dass wir beim Texten wirklich harmonierten. Die Lektorin in mir ließ sich nicht ganz verscheuchen, aber Petra nahm meine Verbesserungsvorschläge für unser Gemeinschaftswerk dankbar an. Und ich wusste, dass ich manche Stellen nur andeuten musste, Petra sogar teilweise Lückentexte schicken konnte – die Journalistin würde mit ihrem Wissen die Lücken füllen.

Am spannendsten Punkt unserer Geschichte überraschte mich meine Co-Autorin erneut. Ich hätte nicht gewusst, wie wir all die Steine hätten beseitigen sollen, die wir den Protagonisten in den Weg gelegt hatten, nicht einmal in einem Science-Fiction-Text. Aber Petra bediente sich ganz geschickt eines etliche Jahrtausende alten Motivs, um unserer armen Protagonistin zu helfen. Aber sie veränderte das Motiv so gekonnt, dass niemand sagen kann, die Idee sei abgekupfert.

Zwei Tage vor Einsendeschluss erfuhr ich, dass es genau diesen Wettbewerb auch in deutscher Sprache gegeben hätte, aber unsere Geschichte stand und wir entschieden uns, bei unserer englischen Version zu bleiben.

Unsere deutschen Testleser nickten den Text ab, David Jones gab ihm den letzten Schliff und in allerletzter Minute versandte ich unser Werk.

Ich weiß nicht, ob ich ohne Petra tatsächlich einen Text eingereicht hätte. Aber ich weiß: Wenn ich es getan hätte, wäre der Text niemals so gut und so originell geworden wie der, mit dem sich die Jury in diesem Moment vielleicht gerade beschäftigt.

Es bleibt ein gutes Gefühl

Egal, ob wir gewinnen oder nicht: Diese Erfahrung hat mir wieder einmal gezeigt, dass man ein Gemeinschaftsgefühl auch dann sehr intensiv spüren kann, wenn man allein im (zumindest zu Kindergartenzeiten) stillen Lektorinnenkämmerlein sitzt. Das Schreiben hat uns beflügelt, wir haben uns gegenseitig befruchtet und ich habe den Aufwand, selbst wenn er umsonst gewesen sein mag, keine Sekunde bereut.

Vermutlich werde ich mich neben dem Lektorat weiterhin dem Schreiben von Kinderbüchern widmen, sobald meine ersten Bücher auf dem Markt sind. Aber wenn ich mal wieder bei einer anderen Schreibaufgabe nicht weiterweiß, dann werde ich mir jemanden suchen, der mir zumindest
virtuell ordentlich in den Hintern tritt. Ich wüsste da auch schon, wen …

Sandra Schindler ist freiberufliche Lektorin. Sie bearbeitet besonders gerne Romane aller Art (Science Fiction trotz der erwähnten Kurzgeschichte ausgenommen) sowie Sachbücher. In ihrer Freizeit beschäftigt sie sich immer noch sehr viel mit Büchern oder Autorinnen, macht Musik (Gesang, Klavier, Gitarre) oder kümmert sich um ihre Familie (einschließlich zweier Kleinkinder plus Hund). Sandra bloggt in unregelmäßigen Abständen über Sprache, Ökologie und Ernährung.

Die Sammlung weiterer Blogwichtel-Beiträge findet ihr im Texttreff-Blog.

 


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Buchveröffentlichungen der Berliner Autorin Petra A. Bauer

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