re:publica 2013 live -Tag 2

Mein Introtext ist verschwunden . Egal, re:publica-fast-Liveblogging (ich komm gar nicht hinterher), Tag 2

Dienstag, 07. Mai 2013

Tag 2, 7. Mai 2013
((Heute nicht umgekehrt chronologisch,  das fand ich leseunfreundlich gestern, zumindest, wenn man am Schluss alles zusammen lesen möchte. Wenn ihr nach Updates gucken möchtet, müsst ihr heute dann bitte runterscrollen)

11:45 Uhr, endlich in der Station Berlin. Vorher noch Küchenschrämke abgebaut und Handwerkern hinterhertelefoniert. Und wie gestern schon, war niemand zu sehen, obwohl 5.000 Leute hier rumrennen.

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Ich schrub es im letzten Jahr schon: Station Berlin ist das alte Postamt 77 am Gleisdreieck, wo ich als Studentin Pakete sortiert habe. Als re:publica-Location gefällt es mir aber besser ;-)

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Ich fand dann aber doch, nämlich meine Romberg-Mädels von Balkontosen und Cactus Pravtice. Aber bevor ich davon erzähle und das Foto hochlade, und mit wem ich eine angeregte Unterhaltung hatte, muss ich jetzt dringend was futtern! Bis gleich!

So, im stehend in der Futterschlange bloggen geht auch :-)

Also jetzt das versprochene Foto:

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Cactus-Practice, Balkonrosen und Bauerngartenfee (also ich, wer das noch nicht weiß)

Eigentlich bin ich ja nur dort hinauf gegangen, um für euch mal den Hof der Station Berlin von oben zu fotografieren:

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Als ich ankam, hatte ich noch das getwittert:

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Im Hof tauchte sie dann auch noch auf:

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Freundlicherweise hat mir dann Sara Kuttner herself wieder in Erinnerung gebracht, wie “Dings” nochmal heißt:

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———- to be continued, jetzt erstmal live von der Yarnbombing-Session: Wie Internet das Crafting verändert und Crafting das Internet verändert.—-

Für mich, die ich in den 80ern in der Schule, im Hörsaal, stehend an der Bushaltestelle, etc. gestrickt habe, ist es mehr so ein Dėja vu ;-) Und auch mit Yarnbombing / Guerillaknitting habe ich mich schon befasst. Daran sieht man schon, dass “Handarbeiten” zunehmend im öffentlichen Raum stattfindet.

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Foto: Kiki Haas und Daniela Warndorf, Stage 5

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Foto: Daniela Warndorf

Daniela hat im Rahmen des Craftings auch Social Commerce Plattformen wie Etsy, Dawanda, Spreadshirt vorgestellt.

Kiki geht intensiver auf Ravelry ein:

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Ravelry ist eine riesige Crafting-Community, im Grunde ein Facebook für Stricker, Häkler, Näher, etc., hab jetzt keine Lust auf Gendersprech.

Der Handarbeitsmarkt legt jedenfalls stark zu - da gibt es offenbar noch viel zu verdienen. Durch das Internet wird die Nachfrage angeheizt, weil auch immer neue Techniken auftauchen und ggf. spezielles Material erfordern

Bei der Frage, wo über das Crafting berichtet wird, ist interessant, dass die Leute, die 10 bis 20 Jahre stricken, die sind, die in ihren eigenen Blogs darüber berichten. Die Neu-Crafter nutzen eher Facebook, Pinterest, etc

Bei der nächsten Session auf derselben Stage haben die Veranstalter die Beliebtheit unterschätzt: Stage 5 war völlig überfüllt. @karrierebibel Jochen Mai (der sich zum Vorjahr optisch ziemlich verändert hat, by the way, interesting, hat jetzt ne charmante Öko-Optik, und ich komme mir grad vor wie ne Klatschreporterin, haha) und @punktefrau berichteten über Bewerbung 2.0. Kreative Onlinebewerbung halt, die Christine (Nachnamen muss ich gleich nochmal nachgucken) selbst durchexerziert hat:

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Foto:Christine @punktefrau, Jochen Mai @karrierebibel

Sehr viel Info in sehr kurzer Zeit, ich komme kaum hinterher. Das muss ich dann höchst unlive später nochmal zusammenfassen.

re:publica 2013 live

Es ist wieder Zeit für meine Lieblings-Bloggerkonferenz re:publica, und ich dachte, ich lasse euch mal live dran teilhaben, falls das so klappt, wie ich mir das denke. Ganz persönliche Eindrücke nur, also erwartet nichts Weltbewegendes ;-)

Montag, 06. Mai 2013

Tag 1, 6. Mai 2013
(umgekehrt chronologisch, wenn ihr von Anfang an lesen wollt, müsst ihr ein bisschen scrollen)

18:00 Uhr, wieder zu Hause. Ich hab mich verkrümelt, so leid mir das tat, weil ich noch weiter ausräumen muss. Fazit meines ersten re:publica-Tages: Spät gekommen, früh gegangen, zwei Sessions rund um mein Lieblingsthema YouTube - ich bin zufrieden. Ein Satz, der mir auf dem Nachhauseweg in den Kopf kam: Die re:publica und die gesamte Internetwelt hat auf gewisse Weise ihre Unschuld verloren. Vielleicht ist das nicht neu, aber dieses Gefühl machte sich heute diffus in mir breit.

Morgen geht es mit der Live-Berichterstattung weiter. Ihr dürft in den Kommentaren gerne was dazu sagen - ich würde mich freuen!

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16:00 bis 16:45 Uhr. YouTube macht die Stars von morgen, u.a. mit re:publica-Mitorganisator Johnny Häusler, aka @spreeblick, sowie Christoph Krachten von @clixoom. Müsste gleich losgehen. Ich bin inzwischen bei Stage 2 weiter nach vorne gewandert.

Cool, Amy (Diamond of Tears), Simon (Ungespielt) und Florian (LeFloid) von YouTube sind auch hier:

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Johnny meint, es wäre schwierig gewesen, erfolgreiche YouTuber aufs Podium zu bekommen, weil sie “vor so vielen Leuten” nicht reden könnten. LeFloid hat z.B. 690.000 Abonnenten. Aber allein vor der Kamera ist halt tatsächlich anders, als vor mehreren hundert Leuten in einem Saal. Ich mag übrigens beides ;-)

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Bisschen unscharf, aber die iPad-Kamera kommt mit Dämmerlicht und Zoom nicht so allerbestens klar.

Natürlich geht es in der Diskussion auch um Abonnentenzahlen (s.o.), Clickzahlen, und die Anzahl der Kommentare. Positive Kommentare sind eher selten, da klicken die User einfach einen Daumen hoch,  aber die Hater und Idioten machen sich eher die Mühe, zu kommentieren.

LeFloid: “Zahlen sind Feedback. Man sieht, feiern die Leute, was ich mache oder muss ich an der Interaktion mit den Zuschauern was ändern?”

Auch schön: Simon schrieb auf seinem Let’s Play Kanal, dass er “auf so ner Bloggerkonferenz” sei, und er wolle einen Ausschnitt aus nem Minecraft-Video nehmen, aber “die harten Sachen muss ich rausschneiden, da sind fast nur Erwachsene.” :-D

16:35 Uhr, Christoph Krachten ist jetzt auch auf dem Podium. Er macht ja nicht nur den Clixoom-Kanal, sondern auch das Netzwerk Mediakraft, mit dem er mittlerweile 130 Millionen Klicks im Monat für die Network-Mitglieder generiert

Johnny erinnert an eine alte re:publica, wo man im Panel “Geld verdienen mit Blogs” vier Stunden drüber stritt, ob man ein Banner aufs Blog packen darf, oder ob das Geldverdienen mit Blogs grundsätlich böse ist. YouTube ist da jetzt ne andere Größe und ich persönlich hoffe sowieso, dass endlich mal klar wird, dass Arbeit (und Bloggen / Vloggen IST Arbeit) auch bezahlt werden sollte. Wobei auch auf YouTube anfangs alle rumheulten von wegen, “du hast dich verkauft, du bist nicht mehr real” was jetzt in “Ey, du bist jetzt im Netzwerk, du hast es geschafft!” (Simon) umgeschlagen ist. Entbehrt nicht einer gewisen Komik.

“Die Leute wollen ihre Videos sehen, am besten bitte immer an einem bestimmten Wochentag und schön aufwändig produziert, aber sie wollen nicht wissen, dass die YouTuber für diesen Aufwand auch bezahlt werden und meckern über Prerolls” (LeFloid).

Zuschauerfrage: “Wie kommt man in ein Netzwerk hinein?” Antwort: “Entweder man bewirbt sich bei einem der Netzwerke per Formular, oder man wird angesprochen.”

Zuschauerfrage: “LeFloid, deine Themen landen bei uns am Abendbrottisch (vergewaltigte Frauen, etc.). Bist du dir der Verantwortung bewusst?” Ist er.

Frage an alle: “Wird YouTube euer Zuhause bleiben, oder wartet ihr auf den Sprung ins Fernsehen?” Grundsätzlich sehen alle drei YouTube als ihre Heimat. Simon hat seit drei Jahren selber nicht ferngesehen, weil man sich seine Programme da nicht aussuchen kann. Amy würde TV bestenfalls als Zusatzeinnahmequelle sehen.

Der andere Netzwerk-Mensch (Name nicht mitbekommen) denkt, dass vieles Hand in Hand geht und sehr viele junge Leute mit unglaublichem Wissen heranwachsen. Und Christoph fragt, wieso man ins Fernsehen soll, wo auf YouTube mehr Leute zusehen ;-)

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14:45 bis 15:45 Uhr, ich muss natürlich zu den YouTube-Sessions. Nachdem wir (@frau_brecht, @watson_works und ich) uns mit aus den Restaurant geklauten Stühlen in die letzte Reihe von Stage 2 gemogelt. Betram Gugel und Markus Hündgen reden über YouTube zwischen Wildwest und Goldgrube, wobei Markus (@videopunk) via Livestream aus Düsseldorf zugeschaltet ist. Zunächst wird mit Vorurteilen über YouTube aufgeräumt. Ich wusste es natürlich, aber wusstet ihr, dass YouTube das größte Social Network ist? Größer aus Facebook. Als ich 2009 damit anfing, war mir noch gar nicht bewusst, dass es nicht nur Videos dort gibt, sondern dass es eine eigene Community ist, mit sehr speziellen Mechanismen.

Markus Hündgen- YouTube-Session

Analog zur Entwicklung im TV gibt auch YouTube Sendern Geld in die Hand, damit sie Webvideoinhalte produzieren. Leider haben viele von denen das YouTube-Prinzip nicht verstanden. Klassische TV-Programme funktionieren dort nicht, und das müssen die Sender erst lernen.

Fühle mich ertappt, bei dem “Hallo Leute!” / “Hi meine Lieben!”-Video-Einstieg-Zusammenschnitt unterschiedlicher YouTuber. Altbewährte Formate setzen sich eben wirklich durch. Kein Wunder, dass die Sender so unflexibel sind. Wir sind es ja auch ;-)

In der Session werden auch die (noch relativ neuen) YouTube-Netzwerke erklärt. Die Netzwerke helfen einzelnen YouTubern dabei, bekannter zu werden, weil das alleine kaum noch zu schaffen ist. Hinter allem stehen natürlich Werbetreibende und das entsprechende Geld. Netzwerke haben die Connections zu den Werbekunden und unterstützen auch die Channels / Videos bei der Produktion. Ich hatte ich auch mal grob mit YouTube-Netzwerken beschäftigt, und von da hab ich mitbekommen, dass man sich in dem Fall entscheiden muss: YouTube-Partner sein oder einem Netzwerk beitreten. Netzwerke bieten auch Hilfen bei sog. Strikes, also wenn Videos wg. Contentverletzungen abgestraft werden. Nach 3 Strikes fliegt man raus und kann auch am Monetarisierungsprogramm nicht mehr teilnehmen. Blöd für diejenigen, die von YouTube leben.

Zuschauerfrage:“Was muss eine Regierungsorganisation tun, damit ihre Videos erfolgreich werden?” Antwort: “Zunächst einmal muss sie interessante Inhalte bereitstellen.” Gelächter :-)

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14:15 Uhr, noch immer in keiner Session gewesen.  Mit @frau_brecht und @VolkerGoebbels an die Futterschlange gestellt, und kaum eine halbe Std. später hatten wir Spagetti mit Hähnchen und Currysauce bzw. Penne mit Flusskrebsschwänzen und Mozzarella. War lecker!

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13:20 Uhr, @kaltmamsell hat mich aufgegabelt und aus dem Gespräch entwickelte sich eine Idee für ne Session in 2014, die sie gleich @tknuewer vorstellte. @fiene stand auch dabei. Ich krieg Hunger, aber die Schlange ist jetzt gigantisch.

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12:45 Uhr, ich bin endlich angekommen. Wegen unserer Sanierung musste ich noch Dinge klären und weitere Sachen aus dem Haus schleppen. Aber wenn es danach ginge, könnte ich diesmal überhaupt nicht an der #rp13 teilnehmen, wie der offizielle Twitter-Hashtag für die Veranstaltung heißt.
Ich begab mich erstmal zu den Sitzgelegenheiten, die 2012 als “Affenfelsen” bekannt geworden waren. Ich habe genau niemanden getroffen, den ich kannte, obwohl viele “meiner” Leute hier sind. Sitzen wohl alle in den Sessions. Höre / lese Reaktionen der Session “So nutzen Kids das Web”. Hatten sich wohl viele Leute anders vorgestellt, die Veranstaltung. Langsam füllt sich der Futterraum.

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Jeder kann Autor werden!

Grafik"Wie schreibe ich ein Buch?" Ich habe nicht gezählt, wie oft ich das schon gefragt wurde. Gerade am letzten Wochenende kam die Frage wieder auf. Da dies nicht in einem Satz zu beantworten ist und auch nicht in dreien, starte ich heute ein Artikelserie zu diesem Thema. Alle Beiträge dazu sammle ich der Themenspecial-Seite Wie schreibe ich ein Buch? Die könnt ihr schon mal bookmarken ;-)

Montag, 25. Februar 2013

Zur Frage nach dem Bücherschreiben gehört fast zwangsläufig auch der bange Nachsatz: “Kann ich das denn überhaupt?”

Grundsätzlich kann jeder Mensch Autor werden, denn Autor sein heißt ja zunächst nichts anderes, als einen Text verfassen zu können. Man schreibt etwas und ist Autor dieses Textes. Wie gut oder schlecht der Text ist, ob der Verfasser Orthografie und Grammatik beherrscht und in der Lage ist, Spannung aufzubauen, das ist dem Begriff “Autor” nicht anzusehen. Der Begriff ist auch nicht geschützt, also kann sich theoretisch jeder Textverfasser Autor nennen und das auf seine Visitenkarte drucken lassen.

Denn das Wort Autor steht in unserem Sprachgebrauch mittlerweile als Begriff für den Beruf des Autors oder Schriftstellers, wobei dies zwei verschiedene Paar Schuhe sind, aber dazu später. Wer mich also fragt: “Meinst du, ich kann auch Autor werden?”, meint eigentlich “Glaubst du, ich kann gut genug schreiben um veröffentlicht zu werden?”

Wer darf sich Autor nennen?

Veröffentlichung ist nämlich das magische Wort für fast alle Menschen, die vom Schreiben träumen. Und auch ich habe mich erst nach meiner ersten Buchveröffentlichung Autorin genannt und nicht etwa bei der ersten veröffentlichten Geschichte in einer Anthologie oder gar noch früher. Sonst wäre ich mir wie ein Hochstaplerin vorgekommen. Aber nach der Veröffentlichung in einem unabhängigen Verlag, der mich selbstverständlich für meine Arbeit bezahlt hat - und nicht etwa umgekehrt! - wusste ich, dass ich ein Buch bis zum Ende schreiben und Leser damit unterhalten kann. Und ich wusste, dass die Arbeit der Autorin fortan mein Beruf sein würde.

Wenn die Frage also bedeuten soll: “Glaubst du, ich werde gut genug schreiben können, um eines Tages veröffentlicht zu werden, ohne dass ich dafür jemanden bezahlen muss?”, antworte ich: “Es kommt darauf an, was du dafür zu tun bereit bist.”

Talent schadet nicht

Es gibt die Verfechter der These, dass man Autor nur mit Talent werden kann. Talent schadet natürlich nicht, und Menschen mit einem gewissen Schreibtalent fällt es höchstwahrscheinlich leichter, die Regeln zu verinnerlichen und kreativ zu nutzen, auf die es beim Schreiben ankommt. Nur denke ich, dass es auch möglich ist mit Leidenschaft und Fleiß ans Ziel zu kommen. Vorausgesetzt, man ist bereit, das Schreibhandwerk zu erlernen und seine Texte auch selbstkritisch zu betrachten, bzw. konstruktive Kritik anzunehmen.

Gesetzt den Fall, du hast eine Idee über die du gerne schreiben möchtest - schreib! Vielleicht nicht gleich 400 Seiten, sondern fang einfach erst einmal an. Du wirst rasch an einen Punkt kommen, an dem deine Geschichte feststeckt. Die Idee war vielleicht gut, aber eine einzige Idee trägt keinen ganzen Roman. Spätestens jetzt solltest du den Schreibratgeber auspacken, dieses Themenspecial weiter verfolgen oder dir Rat von anderen holen. Oder alles zusammen. Dabei lernst du sprachliche Stilmittel kennen und wie du sie am effektivsten einsetzen kannst. Du lernst, wie man einen Plot so aufbauen kann, dass eine spannende Handlung entsteht und vieles mehr. Und du solltest andere Autoren lesen, egal ob sie gute oder schlechte Bücher geschrieben haben, wie immer man das auch definieren möchte. Das ist nämlich eine gute Methode, um die Anwendung der theoretisch erlernten Stilmittel in freier Wildbahn kennenzulernen. Und mitunter lernst du von den schlechten Büchern sogar mehr als von den guten, denn es fällt dir mit dem neu erlernten theoretischen Hintergrundwissen auf, wie du es lieber nicht machen möchtest. Und dann schreibst du selber. Und überarbeitest. Und schreibst neu. Und irgendwann zeigst du dein Manuskript jemandem, der sich mit der Materie auskennt und hältst das Feedback aus. So wirst du Schritt für Schritt dem Ziel näherkommen Autor zu werden.

Oder, kurz gelistet:

  • Idee haben
  • Schreibhandwerk erlernen
  • Kritikfähig sein
  • Schreiben
  • Lesen
  • Schreiben
  • Schreiben
  • Lesen
  • Schreiben
  • Schreiben
  • Schreiben
  • Dranbleiben
  • Durchhalten
  • Durchbeißen
  • Kritikfähig bleiben
  • Weiterschreiben
  • ENDE schreiben

Wenn du jetzt schon sagst: “Puh, ach, so viel Arbeit ist das?”, dann wirst du höchstwahrscheinlich auch daran scheitern, ein Buch tatsächlich bis zum Ende zu schreiben. Es gibt viele Schreibenwoller mit Schubladen voller Romananfänge. Dranbleiben und Durchhalten ist jedoch das Zauberwort, das dich auf dem Weg zum echten Autorendasein weiterbringt. Und an der Technik feilen wir noch ;-)

Ich freue mich, wenn ihr auch beim nächsten Mal wieder reinschaut, wenn es heißt:
Ich würde gerne ein Buch schreiben, habe aber leider gar keine Zeit dafür.

Liebe Grüße und keep on writing -

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Alle Beiträge zum Themenspecial Wie schreibe ich ein Buch? findet ihr hier.

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Carla Berling: Vom Kämpfen und von Schreiben

Vorgestern habe ich das Buch von Carla Berling Vom Kämpfen und vom Schreiben ausgelesen. Ich musste es erstmal sacken lassen, denn die Geschichte hat mich sehr beeindruckt.

Samstag, 23. Februar 2013

GrafikUnd als ich endlich so weit war, eine Rezension dazu schreiben zu wollen, sah ich, dass meine Kollegin Petra van Cronenburg, das schon zur vollsten Zufriedenheit erledigt hat ;-)

Also spare ich mir die Puste, gebe nur eine uneingeschränkte Kaufempfehlung ab, für alle, die mal lesen wollen, dass Autoren nicht zwangsläufig in Saus und Braus leben, auch wenn sie im Fernsehen auftreten.

Alles weitere könnt ihr in Petras Rezension Stehauffrau mit Mut und Biss nachlesen.

Machen Verlage die Autoren kaputt?

Schreiben & VeröffentlichenMachen Verlage die Autoren kaputt? Die Frage klingt ein bisschen provokant und so soll es ja auch sein. Ich hätte ebensogut fragen können: Machen Imprints die Autoren kaputt? Oder Machen Trends die Autoren kaputt? Und was meine ich überhaupt mit "kaputt"?

Freitag, 22. Februar 2013

Zunächst einmal: Man setze zwei oder mehrere Autoren zusammen und sie beginnen zu klagen. Da nehme ich mich keinesfalls aus, denn es gibt ja auch genug zu jammern. Die einen lamentieren über die wachsende Welle der Selfpublisher - früher bei Print on Demand heute bei Ebooks, die ohnehin für manche Autoren das Ende der Welt bedeuten, während andere Kollegen es als Chance auf eine völlig neue (zusätzliche) Leserschaft sehen. Wir schimpfen über Verlage, die viel Geld für Buchveröffentlichungen von den Autoren verlangen und über Veranstalter, die kein Honorar für Lesungen zahlen wollen. Andere regen sich über Amazon (jetzt sowieso) und das Bewertungssystem auf. Ein sehr großer Teil der Autorenschaft schimpft aus diversen Gründe auf die Verlage.

Aber alle sind sich einig: Dieses Warten auf den nächsten Trend ist die Pest.

Petra_sw_mitMützeundiPhone

Der Otto-Normalleser geht vermutlich noch immer davon aus, dass ein Schriftsteller eine Geschichte erzählen möchte, die einfach “raus” muss und mit diesem Manuskript dann einen Verlag sucht. Und wenn das Buch bei der Leserschaft gut angekommen ist, gibt es eine Fortsetzung oder ein weiteres, davon unabhängiges Buch. So war das früher mal, und bei manchen Autoren ist es auch heute noch so. Die Chance, dass es genau so läuft, ist allerdings bei kleinen Verlagen, die aus Idealismus gegründet werden, höher als bei den Publikumsverlagen, die sich den Gesetzen der Marktwirtschaft unterwerfen müssen. Denn dort wartet man schon lange nicht mehr auf eine gute, ungewöhnliche Geschichte, abseits von jedem Trend und jeder Schublade (auch da gibt es Ausnahmen, aber ich will ja hier von dem sprechen, was eher häufig passiert, also bitte ich auch im Folgenden die Verallgemeinerung zu entschuldigen).

Marktgerecht schreiben

In den großen Verlagen veröffentlicht man Autoren, die den jeweils angesagten Trend gerade am besten bedienen können. Auftragsschreiber im weitesten Sinne. Denn auch Agenturen nehmen nur noch Exposés an, bei denen sie sicher sind, dass “die Verlage das gerade suchen”. Und die Verlage suchen das, was die Leser wollen. Denken sie. Und dann veröffentlichen sie so lange immer neue Bücher im selben Stil (historische Liebesromane mit immer gleichen Titelbildern, Vampire, Engel, Harry-Potter-Derivate, Dystopien, Sado-Maso-Storys, achja und nicht zu vergessen, noch mehr Vampire ...)  bis auch die Leser es nicht mehr sehen können. Das führt dann zu frustrierten Autoren. Denn wer zum ersten Mal in einem Publikumsverlag veröffentlicht wird, denkt rasch es “geschafft” zu haben. Die große Ernüchterung folgt, wenn es bei diesem einen Buch im Verlag bleibt, weil die Verkäufe weit hinter den Erwartungen zurückbleiben. Denn viele der Manuskripte wurden angenommen, um die große Nachfrage zu befriedigen. Die Nachfrage hat aber längst nachgelassen, wenn das Buch dann endlich veröffentlicht ist. In diesem Zusammenhang ist schon häufiger hinter vorgehaltener Hand das Wort Kanonenfutter gefallen.

Die Leser, die den Trend zunächst vielleicht wirklich mochten, bekommen dann für lange Zeit kaum etwas anderes. Denn WENN in der Verlagslandschaft erst einmal etwas als das Next Big Thing ausgemacht wird, der neue Trend, auf den alle lauern, und dafür meist nach Amerika schielen, dann stürzen sich auch alle Publisher drauf. Und reizen es aus bis zum Geht-nicht-mehr. Dumm für alle Autoren, die wirklich gute Geschichten mit anderen Themen in den Schubladen haben.

Zu früh, zu spät, zu komplex, zu Fantasy

Und so kommt es dann, dass Autoren mit Exposés zu spät (“Vor vier Jahren hätten wir das noch untergebracht!”) oder zu früh (“Vielleicht kommt das ja bald, aber die Verlage warten noch ab.”) bei ihren Agenten aufschlagen. Auch gerne genommen: “Das kann man keinem Genre zuordnen. Da wissen die Buchhändler ja nicht, wo sie es hinstellen sollen.” Und auf der Beliebtheitsskala ganz oben steht: “Bloß nichts mehr mit Fantasy!”

Nun wird Fantasy schon seit Jahren totgesagt, obwohl viele Leser phantastische Elemente in Geschichten sehr schätzen. Einige der schönsten Kinder- und Jugendbücher jenseits von Harry Potter sind Klassiker, die heute noch gerne gelesen werden, man denke nur an Pippi Langstrumpf oder Die Unendliche Geschichte. Dank Harry Potter und Twilight haben Verlage Fantasytitel und -linzenzen bis zum Abwinken eingekauft. So viele, dass sie immer noch nicht alle veröffentlicht sind. Dummerweise wollen Leser keine Vampirbücher mehr lesen. Ich bin nicht sicher, ob v.a. die Vampir-Schwemme in den Etagen der Entscheider dafür gesorgt hat, dass möglichst überhaupt keine Phantastik in Kinder- und Jugendbüchern mehr vorkommen darf.

Bei Young Adults sieht es schon wieder anders aus. Zum Teil sind eigene Imprints dafür gegründet worden

Imprints und Altersangaben

Imprints werden gegründet, um ein Verlagsprogramm in mehrere Segmente aufzuteilen.

Wikipedia erklärt Imprints so:

Ein Imprint ist im Verlagswesen eine Wortmarke, die im Buchhandel wie ein Verlag gehandhabt wird. Hinter ihr steht jedoch ein anders benanntes Verlagsunternehmen. Imprints dienen primär dem Marketing gegenüber dem Buchhändler und dem Endkunden. Den tatsächlichen Verlag nennt immer das Impressum. Große Verlage setzen Imprints ein, um ihr Verlagsprogramm in mehrere Segmente aufzuteilen. Imprints werden meist mit eigener Programmvorschau und weiteren Marketingmaßnahmen präsentiert; so lässt sich beim Händler größere Aufmerksamkeit erzeugen als mit einer einzigen Programmvorschau. Viele Verlage bedienen sich Imprints, um einen neuen Programmbereich im Handel zu etablieren, ohne das Verlagsprofil zu sehr aufzuweichen.

Stand früher häufig der ganze Verlag für eine bestimmte Literaturgattung, ist es heute schwieriger geworden, sich mit einem facettenreichen Verlagsprogramm anständig am Markt zu positionieren. Also wird man kleinteiliger. Als Beispiel (ohne Wertung) nenne ich einfach mal Egmont Lyx und Egmont Ink. Egmont Ink steht für spannende, hoch emotionale Bücher für Mädchen von 12 bis 16 Jahren (bei denen - hurra! - auch phantastische Elemente erlaubt sind). Bei Egmont Lyx werden Bücher im Bereich Romantic Thrill, Romantic Fantasy und Romantic History veröffentlicht. Beide Label gehören aber zu Egmont (der Verlag hat auch noch weitere Segmente in Imprints verwandelt). Die Leser kaufen aber eben nicht irgendein Buch vom Egmont Verlag, in der Hoffnung, dass es etwas für sie sein könnte, sondern sie kaufen Lyx und wissen genau, dass etwa alle dreißig Seiten eine Sexszene auftauchen wird (bitte nagelt - Ha. Ha. - mich nicht auf die genaue Seitenzahl fest). Und die Buchhändler wissen genau, in welche Ecke sie die Bücher stellen müssen. Was offenbar ein sehr starker Faktor im Buchbusiness ist.

Eigentlich könnte das eine gute Sache sein, führt aber nach meinem Empfinden dazu, dass zu viele Bücher nach Schema F geschrieben werden.

Ich finde es viel schöner, wenn der Autor die Marke ist. Ein Autor, der seinen eigenen Erzählstil hat, und dem die Leser es nicht übelnehmen, wenn das neueste Werk mal mehr historischen Hintergrund hat oder mal fantasylastiger ist. Dem ein Verlag auch mal Experimente gestattet. Nur muss er dafür seinen Namen erst einmal etabliert haben. Und das ist heute schwieriger denn je.

Shooting Star versus langsam aufgebauter Autor

Da gibt es natürlich die 8-Seiten-Vorschau-Autoren, die quasi aus dem Nichts auftauchen (auch wenn sie vorher schon diverse Bücher veröffentlicht haben, die aber eine kleinere Leserschaft hatten). Ich gönne es ihnen von Herzen, doch auf diesen Autoren liegt leider auch eine große Last. Denn es kann passieren, dass sich die Bücher trotz der Werbung nicht so verkaufen, wie geplant. Weil das Buch vielleicht in mehreren Foren schlecht besprochen wird. Oder weil das Genre noch zu “neu” ist und die Leute nicht drauf anspringen. Und WENN es sich so verkauft, wie erwartet - oder gar besser - dann steigt der Druck, das nachfolgende Buch (denn Folgeverträge sind bei diesen Größenordnungen ziemlich schnell auf dem Tisch; das ist der langen Produktionsdauer geschuldet) noch besser zu schreiben. Auch das ist nicht unbedingt der Kreativität zuträglich.

So cool solche Verträge mit Werbeschwerpunkt (und entsprechenden Vorschüssen, I guess) auch sein mögen, in gewisser Weise machen sie auch Angst. Ein sich langsam etabliert habender Autor mag auch mal ein Buch schreiben, das vielleicht aufgrund des Themas nicht so ankommt, wie der Verlag es erwartet haben mag. Vielleicht bleibt auch mal eine ganze Trilogie ein Stück hinter den Erwartungen zurück. Aber, neues Spiel, neues Glück. Wenn man einen Namen und eine starke Fanbase hat, läuft es beim nächsten Versuch wieder besser.

Leider bekommen die wenigsten Autoren heute noch genug Zeit sich zu etablieren, weil eben die Verlage nur noch den neuesten Trends hinterherhecheln. Was ich durchaus verstehe, wenn man den wirtschaftlichen Hintergrund betrachtet. In der Mode- oder Tech-Branche (nur um mal Beispiele zu nennen) ist es ja nicht anders. Nur bleiben leider die Autoren auf der Strecke.

Was tun mit den Schubladen voller Ideen?

Um bei der Fantasy bzw. Manuskripten mit phantastischen Elementen zu bleiben - da ist der Frust unter Autoren besonders groß, weil etliche der größeren Verlage - wie erwähnt - diese Storys inzwischen fürchten, wie der Teufel das Weihwasser. Diverse Kollegen sagen inzwischen, ok, wenn die großen Verlage nicht wollen, gehen wir eben wieder zu den kleinen. Oder es gibt Überlegungen, dass sich Fantasyautoren, die bereits eine starke Fangemeinde besitzen, sich zusammenschließen und mit dieser “Fanpower” einen kleineren Verlag “groß” (oder zumindest bekannter) machen. Auf jeden Fall bedeutet es für Autoren, finanziell zurückzustecken. Oder aber marktgerecht an den eigenen Wünschen vorbei zu schreiben und die guten Geschichten, die leider nicht im Trend liegen, auf ewig auf der Festplatte verstauben zu lassen. Viele meiner Autorenkollegen sind mittlerweile wirklich entmutigt.

Ich bekam inzwischen von mehreren Seiten den Tipp, mein aktuelles Manuskript einem bestimmten Imprint anzubieten, zu dem es gewiss hervorragend passend würde. Aber ganz ehrlich - ich hätte Angst, dann für immer und ewig genau so schreiben zu müssen. Und dabei ist es doch gerade die Vielfalt, die meinen Beruf ausmacht. Die Chance, meiner Kreativität freien Lauf lassen zu können. Deshalb sind wir doch Autoren geworden. Weil wir den Lesern gute Geschichten erzählen wollen. Geschichten, die sie überraschen. Und keine, bei denen klar ist, aha, das erscheint bei dem Verlag / Imprint, also kann ich mich auf spitze Zähne gefasst machen. So vergibt man auch die Chance, Leser für sich zu gewinnen, die sich nicht auf ein ganz bestimmtes Genre fokussiert haben.

Ebooks als Alternative?

Aufgrund der oben genannten Self-Publisher-Schwemme, halte ich es derzeit für kontraproduktiv Herzensprojekte als Ebook zu “verschleudern”, weil sie in der Masse derjenigen, die “unbedingt mal ein Buch schreiben” wollten, vermutlich untergehen wird, wenn man keinen großen Namen hat. Für mich sähe ich den Ebook-Markt derzeit eher als zusätzliche Möglichkeit vergriffene Bücher wieder aufzulegen. Oder für Autoren, die überhaupt kein Interesse daran haben, ihr Buch einem Verlag anzubieten - was es ja auch gibt. Letztlich ist es Geschmackssache, denke ich. Aber wenn man von der herkömmlichen Veröffentlichung als Papierbuch ausgeht, dann werden die Entfaltungsmöglichkeiten eben immer weniger. Ich verstehe die Verlagsseite durchaus, aber wir Autoren würden uns freuen, wenn trotz allem wieder mehr im eigenen Land nach tollen Büchern gesucht wird, die nicht schon von den Agenten im Vorfeld aussortiert werden müssen, weil “die Verlage sowas gerade nicht wollen”. Wer sagt denn, dass nicht irgendwo ein Vampirbuch schlummert, das völlig anderes ist als alle anderen, die bisher erschienen sind? Oder eine Geschichte, die mehrere Genres bedient und deshalb nach landläufiger Meinung nirgendwo hinein passt?  Möglicherweise ist es aber genau das, was die Leser gerade wollen und nirgendwo in den Buchhandlungen finden. Mit ein wenig mehr Mut, gibt es dann vielleicht zur Abwechslung einen deutschen Trend, der in die USA schwappt? Dem Vernehmen nach, kommt nämlich auch aus Amerika derzeit nicht das Next Big Thing, nach dem alle gieren.

Man kann auch Flauten und Frust auf dem Buchmarkt generieren, in dem man den Kreativen Fesseln anlegt.

Wie empfindet ihr Leser das? Mit vielen habe ich schon darüber gesprochen, aber hier liest sicher der eine oder andere mit, der seine ganz eigene Meinung zu Trends auf dem Buchmarkt hat. Wollt ihr wirklich immer das gleiche lesen? Seid ihr zufrieden damit, was euch Verlage als hip und angesagt präsentieren? Oder sucht ihr lieber nach den Perlen? Habt ihr Lieblingsautoren, die schreiben dürfen, was sie wollen, und euch trotzdem jedes Mal begeistern?

Und auch zum Schluss nochmal: Ich habe hier absichtlich vieles verallgemeinert, einfach, weil mir diverse Punkte davon immer und immer wieder sowohl bei der Kommunikation mit Agenten und Verlagen als auch in Gesprächen mit Kollegen und Lesern begegnen. Was nicht heißt, dass es nicht auch anderes laufen kann. Ich freue mich auch über Gegenbeispiele in den Kommentaren. Auf eine kontroverse Diskussion!

Liebe Grüße

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Hartz 4 und trotzdem Gymnasium und Uni?

GrafikHeute Morgen fand ich über zig Umwege den obenstehenden Tweet von @Faserpiratin und konnte nicht anders als draufzuklicken. Denn mein erster Gedanke war: Ja, warum denn auch nicht?

Samstag, 02. Februar 2013

Nachdem ich das Posting Wenn du dann studieren gehst ... gelesen hatte, war mir klar, dass ich in meiner Schulzeit entweder auf einer Insel der Glückseligen gelebt habe, oder dass sich heute alles zum Schlechten verändert hat (was mir meine Kinder nur zum Teil bestätigten, aber dazu später mehr).

Kindheit in den 60er und 70er Jahren

Ich war ein halbes Jahr alt, als meine Eltern mit mir in eine Sozialbausiedlung zogen, wie sie in den 60er Jahren überall in den Berliner Außenbezirken entstanden. Es war eine Siedlung in Zeilenbauweise. In unserem Karrée gab es drei- bis sechsgeschossige Häuser, dazwischen viel frisch angelegter Rasen und Spielplätze. Ein Stück weiter in Richtung Grundschule lag eine Straße mit Einfamilienhäusern. Keine Villen, sondern einfache Häuschen.

1970 bin ich eingeschult worden. In meinem Karrée - und somit in meiner Grundschulklasse (wir waren 41 Kinder!) - gab es mehrere Schüler aus Familien, deren Eltern sich Klassenfahrten u.ä. nicht leisten konnten. Zum Teil wegen Arbeitslosigkeit oder weil sie einfach mal 7 Kinder hatten. Ob diese Familien dann auch “vom Amt” überprüft wurden, wie es bei der Faserpiratin der Fall war, entzieht sich allerdings meiner Kenntnis.

Akademikereltern gab es in meinre Klasse wenige. Ich kann mich auch nicht erinnern, dass die Berufe der Eltern je Thema waren, außer bei einem Mitschüler, dessen Eltern ebenfalls Lehrer waren und sich auf Elternabenden wohl immer sehr aufplusterten, sonst hätte ich das nicht erfahren. Auch meine Eltern hatten “nur” mittlere Reife, und mein Vater war zwischendrin auch mal arbeitslos, weil die Firma, in der er angestellt war, pleite ging. Aber wie gesagt, das war nie Thema in der Schule und meine Mutter arbeitete ja auch, sodass zumindest ich keine finanziellen Einbußen bemerkte.

Unterstützung von Mitschülern und Lehrern

In der Klasse haben wir immer für die Mitschüler gesammelt, damit sie bei Klassenfahrten und Ausflügen mitfahren konnten (gibt es eigentlich heute noch die Spendensammlung für Schullandheime? Aus diesem “Topf” kam nämlich auch immer noch Geld) und glücklicherweise gab es noch Lehrmittelfreiheit, sodass nicht auch noch die Kosten für Bücher anfielen.

Außerdem haben wir von unseren Lehrern viel über Toleranz und angemessenes Sozialverhalten gelernt. Dann kam ich aufs Gymnasium. Das war nie eine Frage, weder für mich noch für meine Eltern, die zur Not ihr letztes Hemd dafür gegeben hätten, mir die Bildung zu ermöglichen, die ich mir mit meinen durchweg guten Schulnoten quasi verdient hatte. Und auch auf dem Gymnasium ging es ähnlich zu, wie auf der Grundschule. Dort gab es eine natürliche Durchmischung verschiedener sozialer Schichten. Keine Superreichen, keinen Markenwahn und ich kann mich an keine Ausgrenzung aus finanziellen Gründen erinnern. Dafür aber an etwas anderes:

“Arztpapis und Rechtsanwaltmamis”

In Berlin geht die Grundschule ja bis einschließlich 6. Schuljahr. Damals gab es auch noch keine Ausnahmen, allerdings war angedacht unsere Schule zum allerersten sog. “grundständigen Gymnasium” zu machen, d.h. zwei Klassenzüge sollten bereits ab der 5. und nicht erst ab der 7. Klasse beginnen. Für diese Schüler sollte dann auch Latein als Leistungskurs Pflicht sein.

Da war der Aufschrei unter uns Schülern groß. Die Befürchtung, nun würden “lauter Arztpapis und Rechtsanwaltsmamis ihre Kinder an unsere Schule schicken” wurde häufig laut geäußert. Wir wollten nicht, dass Bildung plötzlich ein Privileg der Besserverdienenden würde. Denn dass es diese Berufsgruppen wären, die darauf aus sind, ihre Kinder möglichst früh aufs Gymnasium zu bringen, das war uns rasch klar. Und die Reaktion lässt auch darauf schließen, dass Ärzte, Anwälte, etc. bei uns bislang nicht in Erscheinung getreten waren. Oder dass einfach niemand darüber geredet hat. Denn, wie gesagt, auch dort war Markenwahn bis dato unbekannt. Klar, manche trugen “Roots” (ich war von der Alternativen Fraktion), aber wer sich die nicht leisten konnte, wurde auch in seinen Turnschuhen nicht schief angesehen. Gedisst und gemobbt wurde natürlich trotzdem hier und da, auch wenn es längst noch nicht so hieß und auch nicht mit der Vehemenz ausgeübt wurde, wie sie heute offenbar üblich zu sein scheint. Aber nicht wegen Geldmangel. Wenn jemand keines hatte, dann konnte er nicht dafür, wieso ihn also damit ärgern? Offenbar gab es bei uns noch eine Hemmschwelle bei manchen Dingen. Wir haben aber auch nicht nachgetreten, wenn jemand schon am Boden lag, weder sinnbildlich noch buchstäblich. Etwas, das heute teilweise außer Kraft gesetzt scheint.

Kein Auto, kein Telefon, kein Urlaub? Nichts Besonderes bei uns

In meiner Clique war beispielsweise ein Mädchen, deren Eltern keinen Telefonanschluss hatten. Wir fanden das zwar seltsam (ihr Vater war angeblich einfach gegen diesen “neumodischen Schnickschnack” - Ende der 70er / Anfang der 80er *g*), aber es war halt so. Und Handys waren noch nicht erfunden. Wir haben sie deshalb aber weder gemobbt noch außen vor gelassen. Stattdessen haben wir uns entweder direkt in der Schule verabredet, oder eine von uns ist bei ihr vorbeigeradelt und hat sie informiert. Stundenlanges SMSen oder zig Messages via Facebook, bis man sich endlich auf einen Treffpunkt einigt und was man eigentlich machen will, nur um in letzter Minute alles wieder umzuschmeißen - das kenne ich nur von unseren Kindern. Gab es bei uns einfach nicht und war völlig ok so. Eltern ohne Auto waren auch nichts Besonderes.

Zeitgeist?

Ich habe mich natürlich gefragt, ob dieses relativ friedliche Zusammenleben daran lag, dass wir “alle sowieso nix hatten” (jedenfalls nichts, was andere hätte neidisch machen können). Oder ob uns unsere Mitschüler gleichgültig gewesen waren. Und ob das heute überall so ist, wie die Faserpiratin es erlebt hat.

Zum einen hatten wir tatsächlich offenbar alle etwas Besseres zu tun, als uns den Kopf darüber zu zerbrechen, welche Eltern Geld hatten und welche nicht. Wenn jemand einen gewissen Luxus besaß, wie etwa ein Ferienhäuschen im Ausland, dann deshalb, weil die Eltern in ihren “einfachen” Berufen hart dafür gearbeitet und ewig gespart hatten. Dafür gab es dann zu Hause eben öfter mal Bratkartoffeln.

Und wie ist es heute? Mein Liebster und ich (beide Akademiker mit Nichtakademiker-Eltern), wir sind weiter an den Stadtrand gezogen, in ein halbes Siedlungshaus, wo sich nun zwei Erwachsene und vier Kinder drängeln. Wir können uns einiges leisten, wissen aber auch, wie es war, als wir als Studenten mit 6 Mark am Tag zu zweit irgendwas Essbares auf den Tisch bringen mussten. Wir konnten nicht zu unseren Eltern gehen und sagen “Jetzt ist Wochenende, ich brauch ein bisschen Kohle zum Feiern”. Die hätten uns nämlich was gehustet. Für unser erstes gemeinsames Möbelstück (ein Hochbett, um in unserer Ein-Zimmer-Wohnung ein bisschen mehr Platz zu schaffen), sind wir nachts um drei aufgestanden und putzen gegangen. Unsere Kinder haben da schon deutlich mehr Luxus. Aber als ich sie gefragt habe, wie es denn bei ihnen in der Klasse ist, ob da Kinder sind, die aus finanziellen Gründen nicht mit zu den Klassenfahrten könnten, und wie sie denn damit umgingen, war ich über die Antworten erstaunt und erfreut.

Bildung nur für Reiche?

Es gibt nämlich auch heute an den Gymnasien Kinder, deren Eltern kein überflüssiges Geld haben. Als ein Mitschüler kein Geld für die Klassenfahrt hatte, hat man eben eine Lösung gefunden das Geld aufzutreiben. Keiner kommt auf die Idee, ihn deshalb schief anzusehen. Liegt es an der Klassengemeinschaft? Natürlich gab und gibt es dort Nervensägen, die es aufgrund ihrer Art anfangs etwas schwerer hatten sich zu integrieren. Aber auch diese sind mttlerweile selbstverständlicher Teil der Klassengemeinschaft; die Schüler setzen sich für sie ein und mögen sie. Und wenn sie dazu noch arm wären wie die Kirchenmäuse, würden die Mitschüler sich etwas einfallen lassen, wenn es um finanzielle Dinge ginge. Wer kein Geld für ein Geburtstagsgeschenk hat wird trotzdem eingeladen und muss nichts mitbringen. Ich finde es wirklich tröstlich, dass es offenbar noch Schüler gibt, die von ihrern Eltern so etwas wie Werte mitbekommen haben, auch wenn sie selbst eher privilegiert sind.

Ich habe aber auch schon von Grundschulmüttern gehört, die lieber keinen Antrag auf finanzielle Unterstützung bei Schulbüchern stellen, weil es vorkommt, dass Lehrer das vor der gesamten Klasse diskutieren und dann schon mal dumme Sprüche von den Mitschülen kommen. Dann wird das Geld für das nächste Schulbuchjahr eben centweise woanders gespart um dem Kind die erneute Schmach zu ersparen.

Vor diesem Hintergrund nimmt sich das, was die Faserpiratin bei ihrer Abiturfeier erlebt hat, besonders perfide aus:

Bei der Zeugnisvergabe bekamen dann unsere beiden Besten von der Schule eine nicht unerhebliche Summe Geld geschenkt. Eine Freundin aus ähnlichen finanziellen Verhältnissen und ich bekamen kaum den Mund zu. Wir beide hatten richtig gekämpft für unseren Abschluss und beide sehr gut abgeschnitten. Wir sind sehr früh selbst arbeiten gegangen - ich habe in den feinsten Häusern Nachhilfe gegeben. Wir hatten beide einen Studienplatz in Aussicht und wussten nicht, wovon wir da leben würden. Die beiden, die von unserer Schule mit Geld belohnt wurden, bekamen beide von ihren Eltern einen Laptop zum Abi.

Toleranz vs. Dummheit?

Fazit ist, ich habe nicht herausfinden können, welche Parameter gegeben sein müssen, damit sich “reiche” Kinder über Hartz 4- Kinder lustig machen. Vielleicht haben wir hier alle noch nicht genügend Kohle um die Arroganz gleich mitgepachtet zu haben. Möglicherweise muss man schon reich geboren sein (geerbt haben, wasweißich) und den Kontakt zur Wirklichkeit verloren haben um sich gegenüber denen aufzuspielen, die nichts dafür können, dass sie kein Geld haben.

Deshalb wüsste ich gerne von euch, ob ihr Ähnliches erlebt habt, wie das, was die Faserpiratin in ihrem wirklich lesenswerten Posting schreibt, sei es auf der Seite derer, die nichts haben oder als “neutraler Beobachter”. Denn dass die, die auf Hartz4-Familien herabsehen, sich hier melden, halte ich für eher unwahrscheinlich ;-)

Ich danke euch dafür, dass ihr bis hierher durchgehalten habt.

Tolerante Zeiten wünscht euch

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